100% kartoffeldeutsche Leistungsbereitschaft: Wünsche nach „bunteren“ Handballspielern, da Nationalmannschaft zu deutsch empfunden wird

Guten Morgen liebe Hessen,

Internationale Sportwettbewerbe werden üblicherweise so ausgetragen, dass Mannschaften der einzelnen Nationalstaaten gegeneinander antreten.

Und die Nationalmannschaften werden aus den jeweils besten Sportlern der jeweiligen Länder gebildet. Denn das Ziel der einzelnen Teilnehmer ist es, als Sieger aus dem Turnier hervorzugehen – etwa als Fußballweltmeister. Die Anhänger der einzelnen Nationalmannschaften haben auch kein Problem, sich zu ihrer Mannschaft zu bekennen und das auch öffentlich durch Zeigen der Nationalflagge zum Ausdruck zu bringen. Selbst in Deutschland ist das so. Das Zeigen der schwarz-rot-goldenen Fahne ist zwar vielfach verpönt und selbst der Bundeskanzlerin peinlich, aber während der Fußball-WM ist das Präsentieren der ansonsten versteckten Flagge ungefährlich: niemand gerät dadurch in der Verdacht, ein rechter Nationalist zu sein. Vorausgesetzt, er räumt die Flagge am Ende des Turniers wieder weg.

Aber auch die Bezeichnung Nationalmannschaft wird inzwischen als anstößig empfunden. Während Sepp Herberger wenige Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs mit seiner Nationalmannschaft den Sieg feiern konnte, ohne für den Zusatz „National“ kritisiert zu werden, wäre das heute nicht mehr möglich. Die frühere Nationalmannschaft heißt heute einfach „die Mannschaft“ – der Begriff national kommt darin nicht mehr vor, obwohl es sich um die Auswahl des Deutschen Fußballbundes handelt, also eines nationalen Fußballverbandes (1). Darüber sieht man aber hinweg, weil die Mannschaft selbst multikulturell und bunt ist. Viele der Spieler stammen aus anderen Ländern und Regionen, z.B. aus der Türkei oder aus Afrika. Das ist sicher nicht zu beanstanden, wenn diese Spieler deshalb in die Mannschaft aufgenommen werden, weil sie besser sind als andere und nicht deshalb, weil sie einen Migrationshintergrund haben.

Das scheint beim Handball anders zu sein. Bereits vor einigen Jahren bemerkte der Publizist Wolfram Eilenberger beim Anblick der seinerzeit erfolgreichen Handballnationalmannschaft: „Das frische Erfolgsteam hat keinen einzigen Spieler mit dunkler Hautfarbe oder auch nur südländischem Teint. Es handelt sich, mehr noch, um eine Mannschaft ohne jeglichen Migrationshintergrund. 100 Prozent kartoffeldeutsche Leistungsbereitschaft“ (2). Die Kritik ist offensichtlich beim Deutschen Handballbund (DHB) angekommen. Vor einem Jahr kündigte er ein stärkeres Engagement für mehr Sportler mit Einwanderungshintergrund an. Problem: Handball werde von vielen auslandsstämmigen Jugendlichen als „zu deutsch“ empfunden. Handball wird mit „deutschen Tugenden“ assoziiert, wie etwa Härte, Respekt und Disziplin (3).

Jetzt hat sich auch der WDR („Umweltsau“) zum Thema zu Wort gemeldet. Es wünscht sich „buntere“ Handballer. In einem Beitrag des WDR-Formats „Sport Inside“ wurde der Migrantenmangel in der Truppe des DHB-Bundestrainers beklagt. Dabei ist der Handball – im Gegensatz zum Fußball – in der Türkei und arabischen Ländern unpopulär und weithin unbekannt. Insoweit ist das Desinteresse der Zuwanderer aus diesen Ländern verständlich. Nicht so für den WDR: Schuld sind die fehlenden Bemühungen der Sportfunktionäre um Werbung bei den Migranten (4).

Möglicherweise wird sich dann auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung einschalten und eine Migrantenquote für die DHB-Auswahl fordern. Dann schneidet die Mannschaft im Turnier zwar vielleicht schlecht ab, ist dafür aber bunt und vielfältig. Und nur das zählt heutzutage in der bunten Republik.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.dfb.de/die-mannschaft/start/
(2) https://www.zeit.de/sport/2016-02/handball-deutschland-europameister-alternative-fuer-deutschland/komplettansicht#comments
(3) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2019/deutscher-handball-will-vielfaeltiger-werden/
(4) https://jungefreiheit.de/kultur/medien/2020/wdr-wuenscht-sich-buntere-handballer/

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