Abhängig von Katar durch Gasdeal – Menschenrechte kein Thema für den Bundeskanzler

Guten
Morgen liebe Hessen,

Die
nächste Fußball-Weltmeisterschaft rückt immer näher. In diesem Jahr findet sie
kurz vor Weihnachten statt – erstmals in einem arabischen Land. Die
Witterungsbedingungen sind dabei aber eher ein geringeres Problem, zumal es in
Katar überall Klimaanlagen gibt, die für eine angenehme Temperatur sorgen. Der
Strom wird fast ausschließlich aus Erdgas gewonnen – also nicht CO2-neutral.
Aber der Klimaschutz spielt beim Fußball keine Rolle. Niemanden stört es, wenn
für ein einziges Spiel 30.000 Fans von Frankfurt nach Spanien fliegen – mit
entsprechender CO2-Bilanz.

Ebenso
wenig wie die Menschenrechte oder gar die Rechte von Minderheiten – wie etwa
Homosexuelle. Die genießen in Deutschland nicht nur Gleichberechtigung, sondern
den ganz besonderen Schutz fast aller Parteien und Politiker. Sie haben in
Deutschland einen eigenen Feiertag (17. Mai), eigene Events
(Christopher-Street-Day), eine eigene Fahne, die an vielen öffentlichen
Gebäuden zwischen EU- und Deutschlandfahne hängt und in Frankfurt sogar einen
eigenen (rosa) Weihnachtsmarkt. In Katar ist die Situation völlig anders: „Das
Strafrecht in Katar ist geprägt durch islamische Moralvorstellungen. Es sollte
Reisenden bewusst sein, dass homosexuelle Handlungen und nichtehelicher
Geschlechtsverkehr verboten sind und strafrechtlich geahndet werden. Mehr als
siebzig Länder halten einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle
Beziehungen für ein Verbrechen, das mitunter mit schweren Strafen verbunden
ist“ (2).

Bei
einem Besuch des Emir von Katar bei Bundeskanzler Scholz war der „unmenschliche
Umgang mit Homosexuellen in Katar“ kein Thema. Verständlich, da Deutschland
zukünftig auf Gaslieferungen aus dem Emirat angewiesen sein wird. Selbst auf
die Frage eines Journalisten, ob die deutsche Nationalmannschaft an einer WM in
einem Land teilnehmen könne, wo die Rechte von Homosexuellen mit Füßen getreten
werden, antwortete der Kanzler ausweichend: „In der Tat ist es so, dass diese
Weltmeisterschaft stattfinden wird. Die deutsche Mannschaft wird dort teilnehmen“.
In Katar habe es – so der Kanzler – Verbesserungen, etwa die Einführung eines
Mindestlohnes, gegeben. Als Arbeitsrechtler sei der Einsatz für
Arbeitnehmerrechte der „eigentliche Antrieb“ seines politischen und sozialen
Engagements. Kein Wort zum Thema Homosexualität (1).

Dafür
fand der Scheich umso deutlichere Worte. Er sagte, jeder sei in Katar zur WM
willkommen, „aber wir wünschen uns auch, dass die Menschen unsere Kultur
respektieren“ (1). Diesen Satz hat man bislang nie von einem deutschen Regierungsvertreter
gehört. Dabei ist es eigentlich selbstverständlich, dass Gäste die Sitten und
Gebräuche des Gastlandes respektieren. Und das selbst dann, wenn zuhause völlig
andere Vorstellungen vorherrschen. Wenn in Katar Homosexualität unerwünscht
ist, sollte man das als Gast respektieren – oder einfach nicht hinfahren, wenn
man damit ein Problem hat. Umgekehrt sollte man in Deutschland von allen Gästen
und Zuwanderern ebenfalls verlangen, dass diese die Kultur und Gesetze des
Landes beachten – oder aber wegbleiben, wenn ihnen diese nicht passen.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1)
https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/emir-von-katar-in-berlin-bei-fragen-zu-schwulen-rechten-bleibt-scholz-stumm-80169584.bild.html

(2) https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/katarsicherheit/202280#content_3

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren