ABWÄRTSSPIRALE ILLEGALER MIGRATION: „Flucht“ der höher Qualifizierten in besseres Leben verstärkt Migrationsdruck und Fluchtursachen

Guten Morgen liebe Hessen,

Zu den zahllosen Studien über Migration gibt es jetzt eine neue: eine Studie der Vereinten Nationen untersuchte die Fluchtgründe afrikanischer Migranten. Befragt wurden knapp 2.000 Migranten aus 39 afrikanischen Ländern, die in 13 europäischen Staaten leben. Alle gaben an, dass sie „irregulär migriert“ waren. Einer der Migranten gab als Grund für die anhaltende Migration aus Afrika schlechte Regierungsführung an: „Sie ertränken Menschen in Armut. Es fehlen Schulen, Krankenhäuser, es gibt Korruption und Repression. All das bringt Menschen dazu auszuwandern“ (1).

Die meisten der Migranten waren nach eigenen Angaben besser gebildet als ihre Altersgenossen in der Heimat – im Durchschnitt mindestens drei Jahre länger ausgebildet. „Daraus lässt sich schließen, dass eine verstärkte Bildung den Horizont und die Ambitionen des Einzelnen erheblich erweitert hat“, heißt es im Bericht. Knapp 60 Prozent der Befragten hatten in ihrer Heimat eine Arbeit oder gingen zur Schule (1). Es handelte sich dabei überwiegend nicht um Personen, die vor kriegerischen Auseinandersetzungen oder aufgrund politischer Verfolgung fliehen, sondern um solche, die in einem anderen Land ein besseres Leben suchen. Über 70 Prozent der Befragten stammten aus westafrikanischen Ländern, die vergleichsweise wohlhabend sind und in denen Frieden herrscht (2).

Dieses Ergebnis ist wenig überraschend. Die Flucht nach Europa setzt meist eine entsprechende Information über Fluchtwege und Einreisemöglichkeiten und finanzielle Mittel voraus. Möglichkeiten, die eher bei Gebildeten und Wohlhabenden zu vermuten sind. Wobei Wohlstand und Bildung relativ sind. Vor allem Bildung. Die Feststellung, dass die Migranten im Schnitt drei Jahre länger ausgebildet wurden als ihre Altersgenossen sagt zunächst nur, dass sie überhaupt drei Jahre ausgebildet wurden. Und das ohne Angaben darüber, wo und unter welchen Bedingungen diese Ausbildung stattfand. Mit einer Schul- oder Berufsausbildung, wie wir sie kennen, dürfte das nur in den seltensten Fällen vergleichbar sein. Und so wird etwa das Ergebnis eines 10-jährigen Schulbesuchs in Afrika kaum dem eines gleichlangen Schulbesuchs in Deutschland entsprechen. Eine Aussage über die tatsächliche Qualifikation im Vergleich zu der hierzulande üblichen ist daher kaum möglich.

Was aber klar ist: es wandern eher Gebildete und Qualifizierte aus der afrikanischen Heimat aus. Auch wenn diese auf dem Arbeitsmarkt in Europa nur geringe Chancen auf eine angemessene Tätigkeit besitzen, gehören sie in ihrer Heimat jedenfalls zu denjenigen, die am ehesten in der Lage sind, die Situation vor Ort zu verbessern. Und genau die verlassen die Heimat. Damit entsteht ein zweifaches Problem: in der neuen „Heimat“ Europa werden die Migranten nicht benötigt, in ihrer alten Heimat fehlen sie aber. Die dortigen lokalen Verhältnisse – Armut und Perspektivlosigkeit – werden durch den Weggang der höher Qualifizierten verstärkt und somit der Migrationsdruck und die Fluchtursachen verstärkt.

Und das ist nicht nur ein afrikanisches Problem, sondern bereits innerhalb der EU zu beobachten: Ärzte verlassen Länder wie Bulgarien und Rumänien, weil sie in nördlichen EU-Ländern deutlich besser verdienen und bessere Arbeitsmöglichkeiten finden. In ihrer Heimat fehlen sie aber und verstärken damit das Elend und die Motivation anderer Personen, ebenfalls auszuwandern. Und selbst innerhalb der Bundesrepublik ist eine vergleichbare Entwicklung zu beobachten: Ärzte verlassen ländliche Regionen und konzentrieren sich in den Städten.

Aufgabe der Politik wäre es, dieser Entwicklung entgegenzutreten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.welt.de/politik/ausland/article202220758/UN-Studie-Afrikanische-Migranten-gehoeren-oft-zu-den-besser-Gebildeten.html
(2) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/uno-studie-migration-afrika-migranten-bildung/komplettansicht

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