Ahnungsloser Außenminister Heiko Mass (SPD): Ob Afghanistan oder Leipzig, auf jedem Gebiet eine Fehlbesetzung

Guten Morgen liebe Hessen,

Antisemitismus hat in Deutschland nichts verloren und wird nicht geduldet. So oder ähnlich äußern sich immer wieder Politiker aller Parteien und Vertreter zahlreicher Organisationen. Dass das durchaus differenziert betrachtet werden muss, zeigt ein schwerer Fall von Antisemitismus, der derzeit die deutsche Presse dominiert. Es geht dabei um den Sänger Gil Ofarim, der in einem Instagram-Video berichtet, dass er in einem Leipziger Hotel nicht einchecken konnte, da er einen Davidsstern um den Hals trug. Er berichtete, dass er sich zunächst in die Schlange eingereiht habe, aber andere Personen vorgezogen worden seien. Als er dann nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe ihn der Hotelmitarbeiter aufgefordert, den Stern abzulegen: „Packen Sie Ihren Stern ein“. So jedenfalls stellt es der Sänger dar. Der beschuldigte Hotelangestellte schildert nach den Ausführungen des Sprechers der Leipziger Polizei den Vorfall jedoch deutlich abweichend von den Angaben des Sängers. Der Hotelangestellte hat zwischenzeitlich Anzeigen wegen Verleumdung und Bedrohung gestellt. Der Hotelmanager erklärte, den Vorfall schnellstmöglich aufklären zu wollen. Dazu sollen zunächst die Hotelgäste befragt werden, die sich an dem betreffenden Abend in der Hotellobby aufgehalten und den Vorfall mitbekommen haben (1).

Der Vorfall hat zwischenzeitlich hohe Wellen geschlagen. Der Sänger erfährt von vielen Seiten Zuspruch. Hunderte demonstrierten vor dem Hotel gegen Antisemitismus. Der Sänger zeigte sich dabei überrascht von der Resonanz seines Posts und beklagte sich, dass ihm in der Situation im Hotel niemand „geholfen oder sich an seine Seite gestellt“ habe (2). Zwischenzeitlich hat die Leipziger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Diese berichtete, dass gegen den beschuldigten Hotelangestellten keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten vorliegen (3).

Was bisher feststeht ist, dass es in der Hotellobby eine Auseinandersetzung zwischen dem Sänger und einem Hotelangestellten gab, über dessen Ursache und Verlauf es jedoch unterschiedliche Wahrnehmungen und dementsprechend unterschiedliche Schilderungen gibt. In dieser Situation würde sich jeder rechtstreue und intelligente Unbeteiligte mit einer Bewertung zurückhalten und zunächst das Ergebnis der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen abwarten. Diese Geduld scheint aber nicht jeder aufzubringen.

So zeigte sich der Bundesaußenminister (eigentlich für Leipzig nicht zuständig) bestürzt und forderte mehr Einsatz gegen Judenhass. Hier sei ein „Schulterschluss der Gesellschaft“ gegen Antisemitismus erforderlich, denn „Leipzig ist kein Einzelfall“ (4). Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden zeigte sich fassungslos: „Warum hat niemand protestiert? (…) Wo waren die anderen Menschen in der Schlange? (…) Die antisemitische Anfeindung, die Gil Ofarim in Leipzig offensichtlich erlebt hat, ist erschreckend. Das ist der Alltagsantisemitismus, dem Jüdinnen und Juden immer wieder ausgesetzt sind“ (5).

Was einen tatsächlich fassungslos macht, ist die voreilige Beurteilung eines Vorfalles, über den bislang nur zwei widersprüchliche Aussagen bekannt sind. Offensichtlich reicht einigen prominenten Vertretern bereits der von einer einzigen Person geäußerte Vorwurf des Antisemitismus aus, um Vorverurteilungen gegenüber ihnen völlig unbekannte und möglicherweise unbeteiligte Personen auszusprechen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/panorama/welt/nach-antisemitismus-vorwuerfen-nun-spricht-der-manager-des-hotels-dem-ofarim-schwere-vorwuerfe-macht_id_24311579.html

(2) https://www.n-tv.de/leute/Hotel-Mitarbeiter-widerspricht-und-zeigt-Gil-Ofarim-an-article22849407.html

(3) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/west-in-hotel-gil-ofarim-103.html

(4) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-10/antisemitismus-gil-ofarim-leipzig-westin-hotel-davidstern-heiko-maas-rede

(5) https://www.rtl.de/cms/antisemitismus-in-leipzig-zentralrat-der-juden-fordert-nach-attacke-gegen-gil-ofarim-zivilcourage-4843177.html

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