Aktivist_INNEN fordern Änderung von Stadtwappen – Orte jahrhundertelang von Rassisten bewohnt?

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Antirassismus hat uns derzeit fest im Griff. Denn der Alltagsrassismus ist allgegenwärtig. So auch im beschaulichen Möhringen, einem im Süden gelegenen Stadtteil Stuttgarts. Auf den ersten Blick eine harmlose Siedlung. Aber der geschulte Antirassist wird bereits beim Namen des Stadtteils hellhörig: Möhringen. Steckt da nicht das M-Wort im Namen? Richtig: von Möhringen zu Möhr und von da zu Mohr sind es nur zwei Schritte. Und schon liegt der blanke Rassismus vor dem Betrachter. Und dass er richtig vermutet hat, erkennt er spätestens bei Betrachten des Stadtwappens. Das zeigt im viergeteilten Feld rechts oben einen Kopf. Aber nicht den des Bürgermeisters oder eines verblichenen Prominenten, sondern – richtig – eine dunkelhäutige Person (wahrscheinlich Frau) mit breiten Lippen, krausem Haar und großen Ohrringen.

Das Wappen der erstmals um 1100 urkundlich erwähnten Gemeinde gibt es wahrscheinlich schon sehr lange. Und gestört hat es bislang niemanden. Vermutlich weil der Ort seit Jahrhunderten von ignoranten Rassisten bewohnt wurde. Aber diese Zeiten sind zum Glück jetzt vorbei. Ein aufmerksamer Bürger mit Migrationshintergrund – Okan Alaca – hat das rassistische Wappen entlarvt und sofort eine Petition gestartet. Mehr als 6.000 Personen haben eine Petition unterschrieben, in der nun eine Änderung des rassistischen Wappens gefordert wird. Begründet wird die Petition damit, dass die Abbildung „schwarze Menschen abwertend darstelle“ und daher nichts in einem Stadtteilwappen zu suchen habe: „Schwarze Stuttgarter und ihre Verbündeten fordern die Stadt dazu auf, gemeinsam ein klares Zeichen für den Antirassismus zu setzen“ fordert der Antragsteller vom Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) (1).
Doch dabei sollte es Okan Alaca nicht bewenden lassen. Denn das Wappen des – vergleichsweise unbekannten – Stuttgarter Stadtteils ist bei weitem nicht das einzige, das den rassistischen Mohren zeigt. Da gibt es z.B. die Stadt Coburg, ehemals Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha. Deren Stadtwappen zeigt „in Gold ein schwarzer Mohrenkopf mit goldenem Ohrring“. Und das ist nicht ein X-beliebiger Mohr, sondern niemand anderes als der Stadtpatron Mauritius, der seit dem 4.

Jahrhundert als Heiliger verehrt wird und Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie sowie der Messer- und Waffenschmiede ist. Dieses Wappen mit dem Mohren erregte jedoch bereits früher das Missfallen der Stadtoberen: 1934 wurde der Kopf im Wappen durch ein Schwert mit Hakenkreuz im Knauf ausgetauscht (2).

Aber in Bayern gibt es noch weitere prominente Wappen mit dem Mohren: z.B. das des Münchner Erzbischofs Kardinal Marx. Eigentlich ein bekennender Antirassist – aber auf den Freisinger Mohren im Wappen möchte er dann doch nicht verzichten. Genauso wenig wie sein – noch prominenterer – Vorvorgänger im Bischofsamt: Joseph Ratzinger. Der hat den Mohren sogar mit nach Rom genommen und ihn dort in sein Papst-Wappen eingebaut. Da gibt es für die Antirassisten noch viel zu tun.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/petition-fordert-aenderung-des-moehringer-stadtwappens/
(2) Eintrag zum Wappen von Coburg in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren