Alltagsrassismus in Deutschland: Wann wird eigentlich Neger-Musik verboten?

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Alltagsrassismus ist in Deutschland allgegenwärtig. Sogar in der Provinz. Jetzt hat er in der hessischen Provinz zugeschlagen: in Biedenkopf findet alle 7 Jahre ein historisches Heimatfest statt – der Grenzgang. Dabei wird während einer mehrtägigen Wanderung die gesamte Stadtgrenze kontrolliert. Schon daran wird deutlich, dass es sich um ein zutiefst rassistisches Fest handelt: Grenzkontrollen dienen dazu, die Grenze zu sichern und Fremden – Schutzsuchenden – den Zutritt zu verwehren.

Was aber noch schlimmer ist: einer der Akteure des Fests ist der Mohr: eine Person mit schwarz gefärbtem Gesicht. Das hat im Jahr 2019 natürlich alle Antirassisten auf den Plan gerufen. Unter dem Hashtag „RassismusalsTradition“ attackierten sie das Fest in den sozialen Netzwerken (1). Vor allem Liban Farah, Mitglied der Jusos Hessen Nord, empörte sich. Bei Twitter schrieb er: „Heute war ein harter Tag für mich. Ich musste vor Ort feststellen, dass mitten in Deutschland noch Blackfacing der übelsten Sorte vorherrscht. Welches schwarze Menschen und ihre Vorfahren karikiert und erniedrigt“ (2).

Ähnliche Situationen erleben wir immer wieder: da fühlt sich ein dunkelhäutiger Mitbürger – scheinbar gut integriert – rassistisch diskriminiert und beleidigt oder – wie aktuell – karikiert und erniedrigt. Beispiel: Mohrenapotheke in Frankfurt. Eine dunkelhäutige Mitbürgerin lebt seit Jahrzehnten unauffällig in Frankfurt. Nach mehr als 30 Jahren fällt ihr auf, dass es dort eine Mohren-Apotheke gibt und fühlt sich zutiefst rassistisch beleidigt. Und sie fordert vom Oberbürgermeister ultimativ, die Apotheke umbenennen zu lassen.

Anderes Beispiel: der Sarotti-Mohr, jahrzehntelang Werbeikone des Schokoladenherstellers und sehr beliebt bei Kindern („vielen Dank, Sarotti-Mohr“). Der Mohr musste schon vor geraumer Zeit auf Druck der Rassismus-Lobbyisten umbenannt werden, aber an manchen Stellen hat er überlebt. Und wenn er dann dort entdeckt wird, ist die Empörung groß und erschüttert die gesamte Republik.

Und der Mohr ist immer noch an vielen Stellen zu finden, z.B. beim Mohren-Bräu oder den zahlreichen Hotels zum Mohren. In Augsburg gibt es sogar ein Hotel zu den drei Mohren. Noch schlimmer: der Mohr findet sich bis heute in zahlreichen Wappen von Gemeinden und Kreisen. Beispiele: Coburg, Freising, Mittenwald. Und natürlich auch im Wappen des Münchner Erzbischofs. Da gibt es noch viel zu tun für die Antirassismus-Aktivisten.

Und das gilt natürlich auch für den Neger, z.B. Dachdecker Thomas Neger aus Mainz. Der hat zwar kein Wappen, dafür aber ein Logo: ein Schwarzer, der auf dem Dach seinem Handwerk nachgeht. Auch das ist Grund genug zum Protest. Monatelang forderten Aktivisten den Firmeninhaber auf, sein Logo zu entfernen – erfolglos (3). Das Logo hat Tradition, es wurde vor über 70 Jahren vom Großvater des jetzigen Firmeninhabers eingeführt: Ernst Neger – bundesweit bekannt geworden durch seine Neger-Musik: Humba täterä.

Man fragt sich, wie es schwarze Menschen überhaupt aushalten können in diesem Land angesichts des allgegenwärtigen Rassismus und warum sie nicht zurückgehen in ihre Heimat. Dort gibt es keinen Rassismus, keine Diskriminierung, kein black facing und keine Mohrenapotheke.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2019/volksfest-in-hessen-mohrenfigur-ruft-empoerung-hervor/
(2) https://twitter.com/LibanFa?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1161946834861998080&ref_url=https%3A%2F%2Fjungefreiheit.de%2Fpolitik%2Fdeutschland%2F2019%2Fvolksfest-in-hessen-mohrenfigur-ruft-empoerung-hervor%2F
(3) https://www.welt.de/vermischtes/plus157905604/Das-Neger-Logo-hat-alle-Debatten-ueberlebt.html

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