Alternative fordert parlamentarischen Wirksamkeitsnachweis für alternative Heilverfahren

Guten Morgen liebe Hessen,

Nach 1 ½
Jahren kam im Landtag endlich der AfD-Antrag mit dem schönen Titel „Prophylaxe
viraler Erkrankungen vorantreiben, Gesundheitssystem entlasten,
Bürgerverantwortung steigern“ zur Abstimmung (Drs. 20/5325). Ein Meisterwerk,
wie es nur selten gelingt. Da soll z.B. gleich zu Beginn der Landtag
feststellen, dass „Wissenschaft und Forschung weltweit und besonders in
hessischen Kompetenzzentren Großes geleistet haben“. Wer wollte das bestreiten?
Sicher haben die Wissenschaft und Forschung weltweit Großes geleistet – und
sicher waren auch hessische Wissenschaftler daran beteiligt. Da fallen einem
spontan auch große Namen ein: Wilhelm Conrad Röntgen, Otto Hahn, Friedrich
Dessauer, Franz Volhard, Gerd Binnig und viele andere. Das ist Fakt und muss
nicht vom Hessischen Landtag beschlossen werden.

Dann kommen
die Antragsteller aber zum Kern des Antrags. Da soll beschlossen werden, dass
die Kontrolle des Vitamin-D-Status zur Regelleistung erhoben und Vitamin D
kostenfrei abgegeben werden soll. Das ist längst erfolgt. Überprüfung des
Vitamin-D-Spiegels und Vitamin-D-Präparate sind längst Leistungen der
gesetzlichen Krankenkassen. Hier besteht also kein Handlungsbedarf.

Weiterhin
fordert der Antrag, der Landtag möge feststellen, „dass noch weitere Substanzen
der orthomolekularen Medizin wie Vitamin C, Zink und Selen zur Prophylaxe
viraler Infekte, in der Präklinik und zur Behandlung von viralen Infekten
hervorragende Dienste leisten und darüber die Bevölkerung ebenfalls aufgeklärt
werden soll“. Bei der orthomolekularen Medizin handelt es sich um ein paramedizinisches
Verfahren, dessen Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Zudem sind die dem
Verfahren zugrundeliegenden Hypothesen unplausibel. Die Frage der Wirksamkeit
der „orthomolekularen Medizin“ ist jedoch unerheblich. Denn in keinem Fall ist
es die Aufgabe eines Landesparlamentes, die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit
bestimmter Therapieverfahren zur Behandlung oder Prophylaxe bestimmter
Erkrankungen festzustellen. Hierzu sind die jeweiligen medizinischen
Fachgesellschaften berufen, deren Mitglieder das erforderliche Fachwissen
besitzen und die ihre Entscheidung aufgrund des aktuellen Standes der
Wissenschaft treffen und nicht mit zufälligen Parlamentsmehrheiten.

Und so scheint
der Antrag nur das Ziel zu verfolgen, einem fragwürdigen
alternativmedizinischen Verfahren einen parlamentarischen
„Wirksamkeitsnachweis“ zu verschaffen und Heilpraktikern zusätzliche
Einkommensquellen zu erschließen.

Ihr Rainer
Rahn

Landtagsabgeordneter

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