Anti-Diskriminierungsexperten fordern Geschlechtergerechte Verkehrszeichen

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch daran: in den fünfziger und sechziger Jahren war auf dem Verkehrsschild für Fußwege ein Mann (mit dem damals obligatorischen Hut) abgebildet, der ein kleines Mädchen (mit den damals ebenfalls obligatorischen Zöpfen) an der Hand führte. Dieses Schild wurde Ende der sechziger Jahre durch das bis heute gültige ersetzt, das eine Frau mit Kind zeigt. Begründet wurde die Änderung damals damit, dass die Abbildung des Mannes mit Kind gutgläubige Kinder dazu verleiten könne, mit fremden Männern mitzugehen und dadurch Opfer eines Verbrechens zu werden. So lautete jedenfalls die offizielle Begründung. Der wahre Grund dürfte vermutlich darin gelegen haben, dass seinerzeit in der Wirtschaftskrise die Lobby der Schilderhersteller im Verkehrsministerium vorstellig wurde, um sich einen Millionenauftrag der öffentlichen Hand zu sichern.

Immerhin zeigt das neue Schild eindeutig und für jeden verständlich an, dass ein bestimmter Weg nur für Fußgänger vorgesehen ist. Und das ist auch die Funktion eines Verkehrsschildes: einfach und unmissverständlich anzuzeigen, welche Verkehrsregel an dieser Stelle gilt. Das funktioniert mit einfachen Piktogrammen, auch wenn diese die Realität nicht exakt wiedergeben. So gibt es Verkehrsschilder, die ein schwarzes Reh (Wildwechsel) oder einen schwarzen Bauarbeiter mit Schaufel (Baustelle) zeigen, obwohl Rehe nie und Bauarbeiter nur selten schwarz sind. Teilweise finden sich noch Schilder mit Automodellen aus der 30-er Jahren oder mit Dampflokomotiven – aber jedem ist klar, was damit gemeint sein soll.

Inzwischen hat aber die Gender- und LSBTIQ-Lobby Verkehrszeichen als Objekte ihrer Aktivitäten entdeckt. So gibt es z.B. seit vielen Jahren in der bunten und weltoffenen Stadt Frankfurt im Rahmen des CSD anstelle der üblichen Ampelmännchen schwul-lesbische Pärchen als „wichtiges Zeichen für Akzeptanz“. Dabei würde natürlich kein vernünftiger Mensch auf den Gedanken kommen, dass ein mit einem Ampelmännchen gekennzeichneter Fußgängerüberweg nur für (einzelne) Männer da ist und Frauen oder schwule Pärchen diesen nicht benutzen dürfen. Nicht bedacht hatte der grüne Magistrat der Stadt Frankfurt dabei die Frage, ob durch ein schwules Ampelpärchen ein muslimischer Mitbürger in seinem Glauben beleidigt werden könnte und ob er mit seinen vier Frauen an dieser Stelle die Straße glaubenskonform überqueren kann.

Aber nicht nur in Frankfurt ist man weltoffen, vielfältig und fortschrittlich. So hatte der kulturpolitische Sprecher der Eimsbütteler Sozialdemokraten – Ernst Christian Schütt – kürzlich gefordert, dass sich die Vielfalt der Bevölkerung auf den Verkehrsschildern der Stadt wiederfinden müsse. Also nicht nur die üblichen Männer oder Männchen, sondern „mehr Frauen, zum Beispiel jüngere Frauen, Schwangere, aber auch Ältere mit Stock“. Da stellt sich bereits die Frage, ob sich dann rüstige Ältere, die sich noch ohne Stock und Rollator bewegen können, diskriminiert und beleidigt fühlen könnten, wenn sie als gehbehindert dargestellt werden. Aber Schütt kritisiert auch das Fußgänger-Schild mit Frau und Kind als „veraltet“. Denn es vermittelt den Eindruck, Frauen seien nur Mütter. Und dann gibt es noch das Schild „Anlieger frei“, das durch „Anliegerinnen und Anlieger frei“ ersetzt werden sollte. Wobei sich dann die Frage stellt, ob und wie das dritte (und die vielen weiteren) Geschlechter angesprochen werden sollen (2).

Hier kommt noch viel Arbeit auf den Verkehrsminister zu.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=35762035
(2) https://www.zeit.de/hamburg/2021-02/verkehrsschilder-piktogramm-gender-vielfalt-innovation-spd-peter-ernst-schuett/komplettansicht

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