Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: Ärzte haben unzureichende Kenntnisse

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Approbationsordnung für Ärzte regelt die Ausbildung von Ärzten an den Universitäten einschließlich der abzulegenden Prüfungen. Die Approbationsordnung ist ein umfangreiches Werk, das nach langen Verhandlungen zwischen Politikern, Standesvertretern und Hochschullehrern verabschiedet wurde. Eigentlich sollte man annehmen, dass eine Regelung, an der so viele Experten – mit teilweise sehr unterschiedlichen Interessen – mitgewirkt haben, alle Belange hinreichend berücksichtigt und keiner Ergänzungen bedarf.

Doch jetzt hat sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zu Wort gemeldet und gefordert, dass die Approbationsordnung für Ärzte geändert werden muss, damit diesen in ihrer Ausbildung mehr Wissen über den Missbrauch der Medizin während des Nationalsozialismus vermittelt wird. Er sieht eine „Lücke in der medizinischen Ausbildung“, denn: „Es gibt viel zu viele Mediziner, die unzureichende Kenntnisse haben über die Rolle der Medizin im Dritten Reich. Das betrifft gerade ethische Frage“ (1). Woher er diese Erkenntnis hat, verrät er nicht. Und warum es gerade Mediziner sein sollen, die angeblich unzureichende Kenntnisse in diesem Bereich haben sollen, bleibt unklar. Hier wird einem ganzen Berufsstand pauschal mangelnde Kenntnis über wichtige geschichtliche Vorgänge unterstellt und die Schlussfolgerung gezogen, dass zukünftige Ärzte einen besonderen Nachholbedarf in diesem Bereich hätten.

Selbstverständlich haben Ärzte eine besondere Verantwortung und entscheiden nicht selten über Leben und Tod. Und genau diese Verantwortung wird ihnen in ihrem Studium von ihren zahlreichen engagierten Lehrern täglich vermittelt – so wie es schon jetzt in der Approbationsordnung festgelegt ist. Bereits in § 1 ÄApO wird bestimmt, dass die Ausbildung zum Arzt „die geistigen, historischen und ethischen Grundlagen ärztlichen Verhaltens“ vermitteln soll. Und auch in den Prüfungen müssen Leistungsnachweise in „Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin“ erbracht werden. Und nicht zuletzt gibt es das Unterrichts- und Prüfungsfach Rechtsmedizin, in dem den angehenden Ärzten die rechtlichen Grundlagen ihrer beruflichen Tätigkeit intensiv vermittelt wird.

Es gibt in Deutschland kaum einen Berufsstand, dessen Tätigkeit so intensiv überwacht wird wie der des Arztes. Denn auch mit dem Erwerb der Approbation nach einer mindestens 6 Jahre dauernden Ausbildung erwirbt der Arzt nicht die Befähigung, selbständig tätig zu werden. Hierzu bedarf er einer Facharztausbildung, die mindestens weitere 5 Jahre dauert und mit einer Prüfung endet. Darüber hinaus müssen Ärzte – im Gegensatz zu anderen Angehörigen anderer Berufe – ihre ständige Fortbildung regelmäßig nachweisen und unterliegen der Aufsicht der zuständigen Kammern.

Die Forderung des Antisemitismusbeauftragten diskreditiert in unsäglicher Weise einen ganzen Berufsstand und unterstellt den Ärzten und Medizinstudenten, ohne eine Änderung der Approbationsordnung ihre Tätigkeit mit mangelnden Kenntnissen über deren ethische Grundlagen und die Möglichkeiten eines Missbrauchs auszuüben.


Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/465513/6-7

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