AUGSBURG: FEUERWEHRMANN GETÖTET, Halit S. und seine Kollegen hoffen vor Gericht auf mildes Urteil

Guten Morgen liebe Hessen,

Anfang Dezember 2019 waren einige „junge Männer“ auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt unterwegs. Weil sie keine Zigaretten mehr hatten, schnorrten sie einen ihnen völlig unbekannten Passanten an. Nachdem dieser unfreundlich abgelehnt hatte, kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Halid S. (17) verpasste ihm – Roland S., Feuerwehrmann (49) – daraufhin einen Faustschlag, seine Kumpels Gökalp A. (18) und Kevin C. (20) prügelte dessen Begleiter Christian M. (59) nieder. Auf dem Video eines Taxifahrers ist die Szene zu sehen, wobei Halid S. auf dem am Boden liegenden Roland S. herumspringt. Folge: Roland S. verstirbt vor Ort, sein Begleiter erleidet mehrere Frakturen des Schädels (1).

Jetzt stehen die „jungen Männer“ vor Gericht. Halid S., der die deutsche, libanesische und türkische Staatsangehörigkeit besitzt, ist geständig (angesichts des Videos hätte es auch keinen Sinn, die Tat zu leugnen), aber er gibt sich – vermutlich auf Anraten seines Verteidigers – reumütig: „Ich wollte niemals, dass so etwas passiert“ lässt er seinen Anwalt deklamieren (2). Dabei habe er schon während der U-Haft vor seinen Mitgefangenen mit der Tat geprahlt. Dazu fragte ihn der Richter: „Sie sollen sich in der JVA positioniert haben, dass Sie schon einen totgeschlagen haben?“. Das bestreitet Halid und beklagt sich über 32 Disziplinar-Maßnahmen während seiner Haftzeit: „Der Hausdienstleiter hatte wohl ein Problem mit mir“. Auf den Handys der Angeklagten wurden Gewaltvideos gefunden. Alle drei Angeklagten behaupten, alkoholbedingt nur vermindert schuldfähig gewesen zu sein und hoffen auf ein mildes Urteil (3).

Der Fall hatte seinerzeit in der ganzen Republik hohe Aufmerksamkeit erzeugt. Dies vor allem deshalb, weil das Opfer ein Feuerwehrmann war und die Täter teilweise Migrationshintergrund haben. Innenminister Seehofer verurteilte damals die zunehmende Gewalt gegen Polizisten und andere Rettungskräfte und behauptete: „Wir schützen die, die uns schützen“ (4). Schöne Worte – die aber dem getöteten Feuerwehrmann nichts mehr nützen. Und auch den weiteren Einsatzkräften, die zukünftig noch attackiert werden, ohne dass es für die Täter spürbare Konsequenzen hat. Die jüngsten Vorfälle in Stuttgart, Frankfurt und Dietzenbach haben gezeigt, dass die Verantwortlichen nicht gewillt sind, das Problem ernsthaft anzugehen und Polizeibeamte und Einsatzkräfte tatsächlich nachhaltig vor Angriffen zu schützen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.spiegel.de/panorama/justiz/prozessauftakt-in-augsburg-ein-zwei-saetze-dann-war-der-roland-am-boden-a-e999a511-eefb-4fef-9aa5-df1bce31522e
(2) https://www.rosenheim24.de/bayern/augsburg-prozess-nach-toedlicher-gewalttat-am-augsburger-koenigsplatz-bestialisch-niedergepruegelt-halid-17-gesteht-totschlag-90075124.html
(3) https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/augsburg-jugendlicher-gibt-toedlichen-schlag-gegen-feuerwehrmann-zu-73495748.bild.html
(4) https://www.sueddeutsche.de/bayern/augsburg-feuerwehrmann-prozess-gestaendnis-1.5083962

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