AUSFLÜGE ZUR RAUMSTATION: Lohnen sich Milliardenausgaben für ISS-Missionen?

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich jubelte die Presse: „US-Astronauten nach historischer Mission zur ISS wieder auf Erde“. Was war passiert? Zwei „Astronauten“ landeten nach einem zweimonatigen Aufenthalt auf der internationalen Raumstation im Golf von Mexico. Die Sensation dabei: die erste Wasserlandung seit 45 Jahren und der erste Start aus den USA nach neun Jahren (1). Die Älteren werden sich erinnern: US-Astronauten landeten zwischen 1969 und 1972 sechsmal auf dem Erdtrabanten. Die erste Mondlandung war tatsächlich eine Sensation, die übrigen fünf interessierten kaum noch jemanden. Das Projekt wurde aus Kostengründen eingestellt. Außerdem hatten die Verantwortlichen festgestellt, dass es auf dem Mond überall gleich aussieht und dass das Golfspielen dort keinen Spaß macht, weil der Golfball einfach zu weit fliegt.

Seither fliegen Astronauten nur noch zur internationalen Raumstation. Und nicht etwa zu fremden Sternen, wie die Bezeichnung Astronaut (= „Sternenfahrer“) vermuten lässt. Und selbst die „Raumstation“ ist eigentlich nicht irgendwo im Weltraum, sondern nur 400 km von der Erde entfernt. Das ist so weit wie München von Frankfurt – nur eben senkrecht nach oben. Und selbst die dortige Schwerelosigkeit ist nicht „echt“, sondern muss künstlich erzeugt werden. Die Station umrundet die Erde mit 28.000 km/h und gleicht damit die Schwerkraft aus. Wäre sie langsamer, würde sie wegen der Schwerkraft auf die Erde stürzen.

Von Astronauten kann also keine Rede sein. Keiner von denen, die auf der Station arbeiten, war jemals auf einem anderen Himmelskörper. Nicht auf dem Mond (der sich in der 1.000-fachen Entfernung von der Erde befindet) und erst recht nicht auf einem anderen Planeten oder gar außerhalb des Sonnensystems. Der nächste Fixstern befindet sich in einer Entfernung von 4,3 Lichtjahren – die Reise dorthin würde 200.000 Jahre dauern. Und so müssen sich die „Astronauten“ damit begnügen, zur ISS zu fliegen. Und das ist bereits teuer genug. Nach Angaben der ESA aus dem Jahr 2005 kostete die Raumstation etwa 100 Milliarden; davon entfielen 8 Milliarden Euro auf die Länder der ESA, davon entfielen etwa 40 Prozent auf Deutschland.

Darüber, was die „Astronauten“ dort oben für viel Geld machen, ist wenig bekannt. Berichtet wird immer über den „Tagesablauf“, obwohl es dort weder Tag noch Nacht gibt. Und über die Schwierigkeiten, in der Schwerlosigkeit etwas zu trinken und das Getrunkene wieder loszuwerden. Und so ist immer nur vage von „Forschungsvorhaben“ die Rede, von denen man aber nur wenig erfährt. Vielleicht einige Details: was macht eine Fliege in der Schwerelosigkeit? Sie fliegt herum, genauso wie auf der Erde. Wahrscheinlich merkt sie nicht einmal, dass sie im „Weltall“ ist, weil sie schon auf der Erde subjektiv fast schwerlos ist. Da hat es der Mensch schon schwerer. Für den ist die Schwerlosigkeit tatsächlich ein Problem. Aber das ist hinreichend bekannt. Und es hat keine praktische Bedeutung, weil er auch in ferner Zukunft die Erde nicht verlassen wird. Und so wäre es sinnvoller, das Geld für etwas sinnvolles auszugeben. Zum Beispiel dafür, zu erforschen, wie der Mensch ohne Schwerelosigkeit überleben kann – auf einem Planeten, der inzwischen viel zu klein geworden ist für 8 Milliarden Bewohner.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.sueddeutsche.de/wissen/iss-astronauten-usa-1.4987279
(2) How much does it cost? ESA, 9. August 2005 (englisch)

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren