Axtmörder hofft auf Strafmilderung: Durch kulturelle Prägung zur Tat gezwungen?

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich begann in Limburg der Prozess gegen den Angeklagten des „Axtmordes“. Im Oktober 2019 fuhr der 34-jährige Mann mit seinem PKW seine 31-jährige Ehefrau auf dem Bürgersteig an und tötete sie anschließend mit einer Axt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Täter seine Frau dafür „bestrafen“ wollte, dass sie sich seinen Wünschen widersetzt und sie ihn mit den beiden gemeinsamen Kindern verlassen hatte (1).

Die Presse hatte seinerzeit über die unfassbar grausame Tat zunächst entsprechend ihrem Pressekodex berichtet, der festlegt, dass bei einer Berichterstattung über Straftaten die Zugehörigkeit des Verdächtigen zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten in der Regel nicht erwähnt wird, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren. Und so wurde von einem deutschen Tatverdächtigen berichtet, da Deutsche keine Minderheit darstellen.

Erst nach und nach wurde berichtet, dass der Tatverdächtige Imad A. heißt – ein Hinweis auf dessen Herkunft aus dem orientalischen Kulturkreis. Und das ist für die Tat durchaus bedeutsam. Denn die Ausführung der Tat ist eher untypisch für einen Mord aus Eifersucht oder gekränkter Eitelkeit eines „Bio-Deutschen“. Der führt seine Tat eher unspektakulär und nicht in der Öffentlichkeit aus. Das Opfer wird im Keller erwürgt, vergiftet oder erschossen und die Leiche anschließend im Wald vergraben oder in einem Gewässer versenkt. Ganz anders die Tat in Limburg: hier agierte der Täter in aller Öffentlichkeit und es fehlte ihm vermutlich jedes Unrechtsbewusstsein, weil er sich in seiner Ehre verletzt sah und die Tat damit gerechtfertigt erschien.

Während die Staatsanwaltschaft Limburg von einem heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen ausgeht, zweifelt der Verteidiger an der Schuldfähigkeit seines Mandanten. Dieser soll aufgrund der Sorge um die Kinder psychische Probleme gehabt haben. Der Verteidiger hält es für denkbar, dass der Angeklagte mit einer deutlich milderen Strafe als der eigentlich für Mord vorgesehenen lebenslangen Freiheitsstrafe davonkommt. Nicht nur wegen der angeblich verminderten Schuldfähigkeit, sondern auch weil er Zweifel am Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe hat (2).

Da könnte er durchaus Recht behalten. Kulturelle Eigenheiten werden immer wieder – und teilweise auch erfolgreich – vor Gericht als Rechtfertigung für Straftaten vorgetragen. So hatte vor einigen Jahren ein aus Pakistan stammendes Ehepaar seine 19-jährige Tochter getötet, weil sie einen Freund hatte. Die Eltern lebten seit 30 Jahren in Deutschland, besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, benötigten vor Gericht jedoch einen Dolmetscher. Der Verteidiger trug vor, dass der angeklagte Vater sein aus der Heimat Pakistan mitgebrachtes Wertesystem verinnerlicht habe und daher „gar nicht anders“ habe handeln können (3).

So oder ähnlich wird es auch hier sein. Der Verteidiger wird vortragen, dass der Täter aufgrund seiner kulturellen Prägung zur Tat praktisch gezwungen wurde und keine Wahlmöglichkeit hatte, anders zu handeln. Und vielleicht wird er damit das Gericht überzeugen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/464319/48-
(2) https://www.fnp.de/lokales/limburg-weilburg/prozess-limburg-wichtigsten-fragen-antworten-axtmoerder-zr-13757677.html
(3) https://www.focus.de/regional/darmstadt/darmstaedter-mordprozess-strengglaeubiger-vater-erwuergt-tochter-verteidiger-mann-konnte-nicht-anders-handeln_id_5115498.html

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