Beerdigung eines führenden Clan-Mitglieds: Angehörige kritisieren Behörden und drohen seiner Ärztin

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich verstarb in Leverkusen einer der Anführer des weitverzweigten „Roma-Clan der Gomans“ an Corona, der als Friedenrichter tätig war und hohes Ansehen genoss. Die Goman-Großfamilie ist mit ihrem bundesweiten Netzwerk verwandter oder verschwägerter Roma-Gruppen den Behörden bekannt, da ihre „kriminellen Zweige“. seit Jahrzehnten für negative Schlagzeilen sorgen: dabei geht es u.a. um „Geldwäsche durch Immobilienkäufe, Diebstahl, Einbrüche, der Abzocke alter Menschen über den Enkel-Trick im großen Stil sowie Sozial- und Teppich-Betrügereien“. Bekannt sind sie auch für sog. „Rip-Deals“, wobei die Täter ihren Opfern im Rahmen eines vorgeblichen lukrativen Devisentauschs Falschgeld unterschieben (1)

Der Tod des Clan-Chefs versetzte die Leverkusener Polizei in Alarmstimmung, da sie befürchtete, dass mehrere hundert Familienangehörige zur Beerdigung anreisen würden, obwohl die Corona-Verordnung nur eine geringere Anzahl zulässt. Die Stadt hatte daraufhin die Anzahl der zugelassenen Besucher weiter reduziert, um Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung zu verhindern. Die Behörden hatten zudem an den Zufahrten zum Friedhof Kontrollpunkte eingerichtet, an denen nur zugelassene Besucher passieren durften. Der befürchtete Andrang blieb dementsprechend aus. Das passte dem angereisten Clan-Boss Jan „Moro“ Goman offensichtlich nicht. Gegenüber Journalisten machte er seiner Wut darüber, dass viele seiner Enkel und Verwandten nicht an der Beerdigung teilnehmen konnten, Luft: „das sind Methoden aus der Hitlerzeit“. Und er fragt: „In Köln durften 200 Zigeuner an der Beerdigung teilnehmen, warum geht das hier nicht)“ (1).

Die Anteilnahme einer großen Zahl von Personen bei Krankheit oder Tod eines Familienmitglieds ist bei bestimmten Familien nichts Ungewöhnliches. So sagte ein Polizeisprecher über die Zusammenkunft einer Familie in einem Krankenhaus, in dem ein Familienmitglied behandelt wurde: „Das ist bei Großfamilien der Roma in Deutschland durchaus üblich. Die Angehörigen sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt und kommen dann nach und nach zu dem betroffenen Krankenhaus“ (2). Und wenn sich dann der erwünschte Therapieerfolg nicht einstellt, kann es vorkommen, dass sich der Unmut der Familienmitglieder gegen das Personal richtet. So verstarb vor einigen Jahren ein Kind in einer Kölner Klinik, nachdem es wegen eines angeborenen Herzfehlers operiert worden war. Daraufhin versammelten sich 200 Familienangehörige in der Klinik. Der Vater des verstorbenen Mädchens sprach Todesdrohungen gegen den Chefarzt aus, dem er die Schuld am Tod des Kindes gab (2). Ähnlich war es auch bei der Beerdigung des Clan-Chefs in Leverkusen. Mehrere der Trauergäste drohten der Ärztin, die den Verstorbenen im Leverkusener Klinikum behandelt hatte. Der Sohn des toten Clan-Chefs behauptete, die Ärztin sei Schuld am Tod des Vaters, er werde sie verklagen (1).

Aufklärung ist hier in jedem Fall angesagt. Denn Sinti und Roma – so der Zentralrat – sind „immer wieder Benachteiligungen ausgesetzt und werden oftmals Opfer von Straftaten, von Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen und Anschlägen“. Daher ist „eine konsequente Benennung und politische Verurteilung antiziganistischer Vorkommnisse Phänomene für eine Änderung des Bildes und der Haltung in der Gesellschaft unabdingbar“ (3).

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/politik/deutschland/die-soll-sich-verstecken-goman_id_13176391.html
(2) https://www.welt.de/vermischtes/article178220274/Trauer-in-Koelner-Klinik-Das-ist-bei-Grossfamilien-durchaus-ueblich.html
(3) https://zentralrat.sintiundroma.de/arbeitsbereiche/antidiskriminierungsarbeit/

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