Bereicherung oder Zumutung? Muezzin-Ruf in Deutschland auf dem Vormarsch

Guten Morgen liebe
Hessen,

Kürzlich hatte die
Stadt Köln ein Modellprojekt gestartet, bei dem Moscheegemeinden künftig ihre
Gläubigen zum Freitagsgebet rufen können. Das Modellprojekt ist zunächst auf
zwei Jahre befristet. Moscheegemeinden, die zukünftig per Lautsprecher zum
Gebet rufen wollen, müssen einen entsprechenden Antrag stellen. Die Stadt
schließt dann mit der Gemeinde einen Vertrag, in dem Zeiten und Lautstärken
individuell festgelegt werden. Nach zwei Jahren soll das Modellprojekt
ausgewertet und entschieden werden, ob eine dauerhafte Regelung getroffen wird.
Die Oberbürgermeisterin Henriette Reker („Armlängen-Reker“) möchte „damit ein
Zeichen der gegenseitigen Akzeptanz der Religion setzen“ (1). Dass es diese
gegenseitige Akzeptanz nur im katholischen Köln gibt, nicht dagegen in den mehr
als 50 islamischen Ländern, ist der Oberbürgermeisterin offensichtlich nicht
bewusst. Christliche Glaubensäußerungen sind in den meisten islamischen Ländern
verboten. Das Auswärtige Amt informiert z.B. über die Situation in
Saudi-Arabien: „Vermeiden Sie Zurschaustellung oder gar Verteilung
christlich-religiöser Symbole“ (2).

Auch den bisherigen
Kanzleramtsminister Braun (CDU) stört das nicht. Im Gegenteil: er hat sich für
mehr Muezzin-Rufe in Deutschland ausgesprochen: „Der Muezzin-Ruf ist etwas, was
zur freien Religionsausübung gehört und deshalb auch etwas, was es
selbstverständlich in Deutschland gibt“ (3). Warum der Muezzin-Ruf in einem
traditionell christlich geprägten Land selbstverständlich sein soll, erklärt
Braun nicht. Genauso wenig, warum er christliche Kirchen und Glockengeläut in
Pakistan oder Afghanistan nicht für selbstverständlich hält. Nach heftiger
Kritik rechtfertigte sich der ehemelige Minister: „Ich habe mit meiner Antwort
lediglich auf grundgesetzliche Vorgaben hingewiesen“ (3). Da hat der Minister
aber das Grundgesetz entweder nicht gelesen oder verstanden. Denn in Art. 4 GG
ist zwar die freie Ausübung der Religion gewährleistet, diese steht aber in
Konkurrenz zu den Rechten anderer Religionsgemeinschaften und der Personen, die
überhaupt keine Religion besitzen wie auch in Konkurrenz zu anderen
Grundrechten.

Und da wird die
Argumentation schon schwierig. Zum einen ist umstritten, ob der Muezzin-Ruf
überhaupt Teil der freien Religionsausübung sein kann. Insbesondere die als besonders
störend empfundene Verbreitung des Rufs per Lautsprecher dürfte davon nicht
erfasst sein, da der Prophet selbst in keinem Fall einen solchen benutzt hat.
Auch der immer wieder bemühte Vergleich mit dem kirchlichen Glockengeläut liegt
völlig neben der Sache. Dieses kann zwar ebenfalls eine Lärmbelästigung
darstellen, transportiert aber im Gegensatz zum Gebetsruf keinen konkreten
Inhalt und insbesondere kein Glaubensbekenntnis. Ganz anders der Muezzin-Ruf
(„Allahu akbar“), der übersetzt lautet: „Allah ist der Allergrößte; ich
bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt; ich bezeuge, dass Mohammed der
Gesandte Allahs ist; kommt her zum Gebet; kommt her zum Heil; es gibt keinen
Gott außer Allah“. Mit diesem Text reklamiert der Islam einen Alleinvertretungsanspruch,
der anderen Religionsgemeinschaften das Existenzrecht abspricht. Hinzu kommt,
dass dieser Text häufig im Zusammenhang mit Terrorakten zu hören und von vielen
islamischen Tätern ausgerufen wird – vermutlich um die Motivation ihrer Tat zu
verkünden. Die meisten Bürger werden den Gebetsruf daher kaum als Bereicherung
empfinden, sondern als Zumutung.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/470078/7

(2) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/saudiarabien-node/saudiarabiensicherheit/202298#content_1

(3) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/braun-offen-fuer-mehr-muezzin-rufe3/

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