Berichte über Gruppenvergewaltigungen: Keine Vorurteile schüren

Guten Morgen liebe Hessen,

Immer wieder berichten die Medien über brutale Vergewaltigungen, an denen teilweise mehrere Täter beteiligt sind. Schlagzeilen machte zuletzt der Fall der 13-jährigen Leonie aus Wien, die Ende Juni unter Drogen gesetzt und von mehreren Männern vergewaltigt, gewürgt und getötet wurde. Tatverdächtig sind vier Asylbewerber aus Afghanistan, von denen drei gefasst werden konnten. Der vierte Tatverdächtige ist flüchtig (1). Ursprünglich wurde das Alter der Täter mit 16 bis 23 angegeben. Inzwischen wurde jedoch festgestellt, dass der angeblich 16-Jährige einem Gutachten zufolge „mindestens 18, möglicherweise 20 Jahre alt“ ist (2).

Im ostfriesischen Leer wurde eine 18-jährige Frau in eine Wohnung gelockt und von drei „jungen Männern“ (18, 20 und 21) geschlagen und mehrfach vergewaltigt. Bei den drei Tatverdächtigen handelt es sich um zwei Syrer und einen Iraker. Eine Polizeisprecherin: „Weitere Einzelheiten wollen wir nicht bekannt geben – auch aus Opferschutz“ und „aus ermittlungstaktischen Gründen“. Die zuständige Staatsanwaltschaft Aurich erließ einen Haftbefehl, der aber gegen Auflagen nicht vollstreckt wurde (3, 4). Der Haftrichter begründete die Freilassung der drei Tatverdächtigen damit, dass angeblich keine Fluchtgefahr bestehe, da die drei noch bei ihren Eltern lebten. Diese Entscheidung ist in gewisser Weise nachvollziehbar: wohin sollten die „Geflüchteten“ denn auch fliehen? Es dürfte kaum ein anderes Land geben, in dem eine Gruppenvergewaltigung so nachsichtig verfolgt und bestraft wird wie Deutschland – insbesondere, wenn es sich bei den Tätern um traumatisierte „Schutzsuchende“ handelt. Einer der drei Tatverdächtigen, der 21-jährige Mustafa, nutzte die Freilassung für ein Interview mit der BILD-Zeitung und machte sich über die Justiz lustig: „Es wurde nicht einmal ein Haftbefehl erlassen. Dann wollen wir doch mal sehen, was passiert“. Was er nicht wusste: der zuständige Staatsanwalt hatte sofort Beschwerde gegen die Freilassung eingelegt. Ein anderer Richter schickte die drei Tatverdächtigen dann sofort in die Untersuchungshaft. BILD recherchierte vor Ort und fand heraus, dass in der Wohnung, in der das Mädchen vergewaltigt wurde, wenige Tage zuvor ein 34-jähriger Syrer festgenommen worden war, dem Einschleusung von Ausländern, Ausweismissbrauch, unerlaubte Einreise und Geldwäsche vorgeworfen wird (5).

Die Polizei Bayern fahndet derzeit nach dem Vergewaltiger einer 15-Jährigen, die den Täter wie folgt beschrieb: „Männlich, ca. 25 Jahre alt, ca. 175 cm groß, südländischer Typ, sehr dunkelbraunes Haar, Haarlänge reicht bis zur Nase, allerdings nur seitlich und nicht ins Gesicht fallend; bekleidet mit weißen Turnschuhen und sprach gebrochenes Deutsch“. Der Mann hatte das Mädchen nach einer Abschlussfeier in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt (6). Die Süddeutsche berichtete über den Fall und zitierte die Beschreibung des Täters aus dem Polizeibericht wörtlich, ließ jedoch den „südländischen Typ“ und das „gebrochene Deutsch“ weg (7). In keinem Fall sollte wohl der Eindruck entstehen, dass es sich bei dem Täter um einen „Schutzsuchenden“ handelt. Denn das könnte Vorurteile schüren und den Rechtspopulisten in die Hände spielen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.rtl.de/cms/leonie-in-wien-tot-an-baum-gelehnt-obduktionsbericht-bringt-todesursache-ans-licht-4791705.html

(2) https://www.vienna.at/fall-leonie-alle-verdaechtige-mindestens-18-jahre-alt/7070226

(3) https://www.focus.de/panorama/welt/uebergriff-in-leer-drei-maenner-sollen-junge-frau-vergewaltigt-haben-ihr-psychischer-zustand-ist-kritisch_id_13532859.html

(4) https://www.bild.de/regional/bremen/bremen-aktuell/in-einer-wohnung-in-leer-frau-18-von-drei-maennern-vergewaltigt-77197790.bild.html

(5) https://www.bild.de/bild-plus/news/inland/news-inland/leer-dieses-haus-wurde-zur-vergewaltigungs-falle-fuer-die-16-jaehrige-77222538,la=de.bild.html

(6) https://www.polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/330960

(7) https://www.sueddeutsche.de/muenchen/heimstettener-see-schuelerin-vergewaltigung-1.5368887

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