Berichterstattung der Qualitätspresse: Mann begeht Straftat, ist psychisch krank. Nachfragen unerwünscht.

Guten Morgen liebe Hessen,

Zwischen den Jahren haben viele ein paar freie Tage genommen. Manche nutzten diese, um sich etwas intensiver mit der Zeitung zu beschäftigen und den einen oder anderen Beitrag gründlicher zu lesen. Und stellten dabei fest, dass in vielen Artikeln viel geschrieben, aber wenig gesagt wird. So liest man z.B. die Überschrift „Schwerverletzter an Autobahn 61 gefunden – Frau rast mit Mann auf Motorhaube durch NRW“. Im Text wird mitgeteilt, dass bei Mönchengladbach eine Frau (51) mit 130 km/h über die Autobahn raset. Auf der Motorhaube ihres Wagens lag ein Mann (53), der sich verzweifelt festklammerte – vergeblich, denn er stürzte auf die Straße. Mehr Informationen gibt es nicht: weder wer die beiden beteiligten Personen sind noch den Grund für den merkwürdigen „Vorfall“. Ein Polizeisprecher erklärt: „Möglicherweise ging dem Vorfall eine Beziehungsgeschichte voraus. Weitere Einzelheiten soll es im Verlauf des Tages geben“ (1). Gab es aber nicht.

Genauso wenig wie beim „Vorfall“ in Stuttgart. Da raste ein Autofahrer in falscher Richtung in einen Kreisverkehr und knallte frontal gegen eine Litfaßsäule. Daraufhin flüchtete er zusammen mit seiner Beifahrerin von der Unfallstelle. Als Polizeibeamte ihn stellen wollten, griff er sie mit einer 70 Zentimeter langen schwertähnlichen Waffe an. Die Beamten versuchten, den Mann mit Pfefferspray zu stoppen. Als das nicht gelang, zog einer der Beamten die Waffe und traf den Autofahrer tödlich. Der Leser erfährt dann, dass der Fahrer 32 Jahre alt war und die Beifahrerin seine 69-jährige Mutter war. Weitere Einzelheiten gibt es nicht – nur dass der 32-Jährige Fahrer psychisch krank war. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden Waffen gefunden, darunter zwei Gaspistolen, eine Armbrust und ein weiteres Schwert (2, 3).

In einem kurzen FOCUS-Artikel zum Thema wird auf wenigen Zeilen gleich dreimal erwähnt, dass der Autofahrer 32 Jahre alt war – so als würde es der Leser erst nach mehrmaliger Erwähnung verstehen (4). Dabei ist das genaue Alter eigentlich von untergeordneter Bedeutung. Was den Leser viel mehr interessieren würde: wer ist dieser Autofahrer, wo kommt er her und vor allem warum führt er im Auto eine 70 cm (!) lange Waffe mit sich. Übliche Utensilien im Auto sind Verbandskasten, Warndreieck und Regenschirm, bei manchen auch eine Rolle Toilettenpapier. Aber ein Schwert ist eigentlich ungewöhnlich. Nächste Frage: warum geht der Mann mit diesem Schwert auf Polizeibeamte los, von denen er weiß, dass sie Schusswaffen tragen? Auch diese Frage wird in den Medien nicht beantwortet – und nicht einmal gestellt. Denn die Antwort könnte lauten: der Mann ist aus einem Land zugereist, in dem das Mitführen eines Schwerts normal ist – ebenso normal wie der Einsatz dieses Schwerts gegen andere Personen. Vor allem dann, wenn es sich um Ungläubige oder Vertreter eines verachteten Staates handelt.

Die Medien verschweigen in ihren Berichten, wer dieser Mann ist und woher er kommt, obwohl ihnen das bekannt sein muss. Denn sie kennen sein genaues Alter, seinen Wohnort und damit auch seine Identität – unterschlagen aber die wesentlichen Informationen. Nur eine nicht: seine Krankengeschichte. Wie in ähnlichen Fällen („Bahnsteigschubser“) üblich, leidet der Täter unter einer psychischen Erkrankung und ist daher für seine Handlungen – hier: Angriff auf Polizeibeamte – nicht verantwortlich. Und damit haben wir eine Story nach dem üblichen Muster: „Mann“ begeht Straftat, indem er andere Personen angreift, verletzt oder tötet – ist aber dafür nicht verantwortlich, weil psychisch krank. Ende der Meldung, Nachfragen nicht erwünscht.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/schwerverletzter-an-autobahn-gefunden-frau-rast-mit-mann-auf-motorhaube-durch-nr-66958716.bild.html
(2) https://www.welt.de/vermischtes/article204618400/Stuttgart-Mann-baut-Unfall-greift-Polizisten-mit-Schwert-an-und-wird-erschossen.html
(3) https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/stuttgart-polizei-erschiesst-bewaffneten-nach-unfall-16555847.html
(4) https://www.focus.de/panorama/welt/stuttgart-mann-geht-nach-unfall-mit-70-cm-klinge-auf-polizisten-los-und-wird-erschossen_id_11499538.html

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