Berlin wird Regenbogenhauptstadt: Bürgermeister Müller (SPD) will „homophobes Denken bekämpfen“

Guten Morgen liebe Hessen,

Deutschland hat viele Hauptstädte: neben der Bundeshauptstadt die Hauptstadt des Herzens (München), Hauptstadt des Rechts (Karlsruhe), Sport-Hauptstadt (Frankfurt), Hauptstadt der Romantik (Heidelberg), Hauptstadt des Fußballs (Dortmund), Hauptstadt des Protestantismus (Hannover), Hauptstadt der Reformation (Wittenberg), Hauptstadt der Kultur (Chemnitz) und viele andere mehr. Jetzt ist eine neue hinzugekommen: die Regenbogenhauptstadt. Gemeint ist Berlin. Denn das Abgeordnetenhaus der Stadt hat in seiner letzten Sitzung vor der Wahl noch schnell einen Antrag der rot-rot-grünen-Landesregierung angenommen, Berlin nun auch ganz offiziell zur „Regenbogenhauptstadt“ und „Freiheitszone für LSBTIQ*“ zu ernennen. LSBTIQ* steht dabei für „lesbisch, schwul, transgender, intergeschlechtlich und queer“, wobei das Sternchen für alle anderen Menschen steht, die zwar nicht heterosexuell sind, sich aber auch nicht eine der anderen fünf Beschreibungen zugehörig fühlen (1).

Der Regierende Bürgermeister der Stadt – Michael Müller (SPD) – hatte anlässlich des Berliner CSD mehr Solidarität eingefordert: „Wir müssen homophobes Denken bekämpfen“. Eigentlich sind die Gedanken frei – jedenfalls nach dem Text des bekannten Volksliedes, das erstmals 1780 auf Flugblättern veröffentlicht wurde. Das Lied war vor allem in Zeiten politischer Unterdrückung oder Gefährdung Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. So stellte sich Sophie Scholl im August 1942 abends an die Gefängnismauer und spielte ihrem dort wegen regimekritischer Äußerungen inhaftierten Vater auf der Blockflöte die Melodie des Liedes vor (2). Als am 9. September 1948 während der Berliner Blockade der damalige Bürgermeister Ernst Reuter vor der Ruine des Reichstagsgebäudes seine weltberühmte Rede hielt, in der er an „die Völker der Welt“ appellierte, stimmten die 300.000 anwesenden Zuhörer spontan das „Die Gedanken sind frei“ an (3). Aber das war 1948 – also noch vor den muffigen 50-er Jahren. Jetzt schreiben wir das Jahr 2021 und leben in einer weltoffenen, toleranten und bunten Gesellschaft. Und da darf es selbstverständlich keine Gedankenfreiheit mehr geben – jedenfalls nicht, wenn es nach dem SPD-Bürgermeister und Nachfolger des großen Ernst Reuter geht. Michael Müller möchte – wie vermutlich viele andere aus den linken Parteien – bestimmte Gedanken einschränken und bekämpfen. Dazu gehört „homophobes Denken“ – also die Angst vor Homophobie oder im weiteren Sinne die Abneigung gegen Homosexuelle – und vermutlich auch islamophobes Denken und natürlich alles, was als „rechtes“ Denken angesehen werden kann.

Wie der Bürgermeister das Denken konkret bekämpfen will, hat er bisher nicht verraten. Aber man kann es sich vorstellen. Vorbilder für Gehirnwäsche gibt es genug – in Stalins Russland, in Nordkorea und aktuell in Afghanistan.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/lgbt/2021/lgbt/antrag-angenommen-berlin-wird-ganz-offiziell-zur-regenbogen-hauptstadt-77705784.bild.html

(2) Hermann Vinke: Das kurze Leben der Sophie Scholl. Maier, Ravensburg 1980, ISBN 3-473-35222-5, S. 112.

(3) Malte Lehming: McCarthy in Deutschland. In: Der Tagesspiegel. 11. Januar 2011; abgerufen am 30. April 2012.

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