Letzte Chance verpasst: Peter Feldmann tritt nicht zurück

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Liste der Fehltritte und Peinlichkeiten von Peter Feldmann ist lang. Spätestens nach der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt wäre sein Rücktritt fällig gewesen. Insbesondere weil der Vorwurf der Vorteilsnahme und Bestechung erhoben wurde. Unabhängig von der Schuldfrage ist bereits der hinreichende Verdacht Grund genug für einen Rücktritt, um das Amt nicht zu beschädigen. Nicht jedoch für Feldmann. Der beharrt auf seiner Unschuld, verdächtigt die Staatsanwaltschaft der einseitigen Ermittlung und macht einfach weiter wie bisher. Schlimmer noch. Eigentlich wollte Feldmann nach der Anklageerhebung öffentliche Termine nur noch „mit Augenmaß“ wahrnehmen (1). Was er darunter versteht, hat er in den vergangenen Tagen eindrucksvoll demonstriert. Beim Empfang der siegreichen Eintracht-Kicker nahm er den Pokal an sich und präsentierte ihn den Journalisten so, als ob er persönlich ihn gewonnen hätte. Anschließend zeigte er sich dem jubelnden Volk auf dem Balkon des Rathauses, flankiert von den Fussballern, verwehrte aber allen anderen städtischen Würdenträgern – sogar der Stadtverordnetenvorsteherin – und verschiedenen Eintracht-Funktionären den Zutritt (2). Und auf dem Flug zum Fussballspiel nahm er den Flugbegleitern das Mikro aus der Hand, um für alle hörbar sexistische Sprüche abzusondern. Ein Verhalten, das man nicht einmal alkoholisierten Fussballfans durchgehen lassen würde – für einen amtierenden (und vermutlich nüchternen) OB indiskutabel.

Feldmann löste mit seinem Verhalten einen Proteststurm aus, mit dem er offensichtlich nicht gerechnet hatte. Sämtliche Parteien im Römer (ausgenommen die Linke) fordern seinen Rücktritt – sogar seine eigene Partei. Es gibt niemanden mehr, der sich für sein Verbleiben im Amt ausspricht. Es ist auch kaum vorstellbar, wie Peter Feldmann seinen Alltag als OB zukünftig gestalten will: morgens auf die Anklagebank, nachmittags ein Interview mit Journalisten und abends zum Empfang in den Kaisersaal. Und dazwischen jede Menge peinliche Auftritte. Feldmann hat jeden Bezug zur Realität verloren. Jeder, der auch nur ansatzweise ein Gefühl für Anstand und angemessenes Verhalten besitzt, würde angesichts der Situation im Boden versinken und sofort zurücktreten. Nicht so Peter Feldmann.

Der denkt nicht einmal ansatzweise an Rücktritt. Im Gegenteil: am Mittwoch trat er vor die versammelte Presse und gab ein äußerst dürftiges Statement ab. Er habe Fehler gemacht, die aber auf seine Fussballbegeisterung zurückzuführen seien. Dann erklärte er, zukünftig „anders“ zu arbeiten. Er wolle die Themen, die ihm wichtig sind, vorantreiben – vor allem die soziale Gerechtigkeit und außerdem bis zum Ende der Sommerpause nur noch wenige öffentliche Termine wahrnehmen. Da muss er wohl auf nichts verzichten, da in der Sommerpause ohnehin kaum Termine stattfinden. Und so wird uns Peter Feldmann – lebendig gewordene Peinlichkeit, Narzisst und Egoist – weiter erhalten bleiben. Und er wird weiterhin als der OB im Amt bleiben, der der Stadt mehr Schaden zugefügt hat als alle seine Vorgänger zusammen. Und der bisher einzige Oberbürgermeister, gegen den Anklage vor einem Gericht erhoben wurde. Das hat selbst sein Vorgänger Friedrich Krebs (OB von 1933 bis 1945) nicht geschafft.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/469234/43

(2) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/474158/10-11

(3) https://www.hessenschau.de/politik/peter-feldmann-will-frankfurter-ob-bleiben-entschuldigung-statt-ruecktritt,feldmann-statement-100.html

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