Blackfacing beim WDR – Sender entschuldigt sich

Guten Morgen liebe Hessen,

Faschings-Dienstag – in vielen Orten Höhepunkt der närrischen Jahreszeit. Doch davon ist in Corona-Zeiten nur wenig zu spüren. Es gibt keine Kappensitzungen und keine Faschingsumzüge. Nur im Fernsehen wird Närrisches gezeigt – mangels aktueller Veranstaltungen meist Konserven aus den Vorjahren. Das fällt eigentlich kaum auf, weil die Witze jedes Jahr dieselben sind. Und auch der WDR zeigte Bewährtes aus den Vorjahren – u.a. einen TV-Zusammenschnitt früherer Karnevalssendungen, wobei „weiße Menschen auf der Karnevalsbühne gezeigt wurden, die als Schwarze geschminkt waren“. Unglaublich! An Karneval schminken sich weiße Menschen das Gesicht. Und der WDR strahlt das weltweit aus. Kein Wunder, dass die Proteste nicht lange auf sich warten ließen. Denn das „Blackfacing“ wird zu Recht als rassistisch und beleidigend empfunden. Und so reagierte der Sender auch sofort reumütig. Er entschuldigte sich (bei wem eigentlich?) und entfernte die Szene aus Karnevals-Show. Stattdessen wird eine Tafel mit folgender Inschrift gezeigt: „In diesem Video ist ein Ausschnitt aus 2010 enthalten, den wir entfernt haben. Er zeigt Personen mit „Blackfacing“ auf der Bühne. „Blackfacing“ wird mittlerweile im Karneval zurecht kritisiert und verpönt. Die Szene hätte nicht in den Zusammenschnitt aufgenommen werden dürfen“ (1).

Dabei war der Sender erst vor wenigen Tagen rassistisch aufgefallen. Denn es gab dort eine Talkrunde zum Thema „Ende der Zigeunersoße“, an der ausschließlich „weiße“ Gäste teilgenommen haben – darunter der alte weiße Mann Thomas Gottschalk, der bislang vermutlich kaum ein Problem damit hatte, in einer öffentlichen Gaststätte ein Z-Schnitzel zu verzehren. Aber nach massiven Protesten gelobte er immerhin Besserung und will dem Z-Wort „in Zukunft die Rote Karte zeigen“. Und auch der WDR teilte mit, dass er eine Arbeitsgruppe zum Thema Rassismus einrichten werde (2).
Das „Blackfacing“ – also die Darstellung eines Schwarzen durch einen Nicht-Schwarzen mittels entsprechender Schminke – steht seit Langem in der Kritik, denn es „wertet Schwarze ab und rechtfertigt die Sklaverei“. Besonders kritisch wird dabei gesehen, dass Schwarze als Darsteller praktisch nicht existent sind – möglicherweise weil man davon ausgeht, dass sie nicht in der Lage sind, eine Rolle zu übernehmen. Aber das Blackfacing gibt es nicht nur im Karneval, sondern auch zu anderen Jahreszeiten. So gibt es in den Niederlanden zur Vorweihnachtszeit den „Zwarte Piet“ – den Schwarzen Peter – als Pendant zum deutschen Knecht Ruprecht, der dem Nikolaus den schweren Sack trägt. Auch das eine typisch rassistische Stereotype: der alte weiße Mann Nikolaus hat die Hände frei zum Segnen, während der schwarze Knecht den schweren Sack mit den vielen Geschenken schleppen muss.

Aber zurück zum Karneval. Der WDR wird vermutlich zukünftig alle Karnevals-Sendungen vorab der Arbeitsgruppe Rassismus zur Freigabe vorlegen. Und da wird wohl kaum etwas unbeanstandet die Antirassismus-Kontrolle passieren – weder Indianer, Chinesen noch arabische Scheichs. Dabei kann der WDR noch von Glück reden, dass der vormals bekannteste Karnevalist der Nation ausschließlich im ZDF aufgetreten war: der singende Dachdecker aus Mainz („Humba täterä“). Dessen legendäre Auftritte befinden sich heute längst im Giftschrank des Senders. Dabei trat der alte weiße Mann immer nur ungeschminkt auf. Sein Name: Ernst Neger.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.welt.de/kultur/medien/article226378745/Rassismus-Debatte-im-WDR-Karnevals-Show-jetzt-mit-Hinweistafel.html
(2) https://www.rnd.de/medien/karneval-blackfacing-in-wdr-sendung-sorgt-fur-kritik-ERW66RGX6NHA5D7YCJR5VULWPQ.html

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