Bundesminister für Ankündigungen: Seehofer will sich um „deutschen Islam“ bemühen

Guten Morgen liebe Hessen,

„Seehofer wirbt für deutschen Islam“ – so titelte kürzlich die FAZ. Dass der Islam zu Deutschland gehört, wissen wir seit zehn Jahren. Damals – im Jahr 2010 – verkündete der Bundespräsident dem erstaunten Volk: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Was genau er damit meinte, verriet er nicht. Viel Zeit dazu hatte er auch nicht, denn kurze Zeit später musste er zurücktreten. Und der zitierte Satz ist das Einzige, was von diesem Präsidenten (den Namen muss man sich nicht merken) in Erinnerung bleiben wird.

Aber andere haben seinen Gedanken aufgegriffen und bestätigt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Zum Beispiel die Kanzlerin und ihr Innenminister Seehofer. Der hat kürzlich die Muslime in Deutschland dazu aufgerufen, die Ausbildung von Imamen in Eigenregie durchzuführen und ausländische Einflüsse – z.B. die des türkischen Staates – in den Gemeinden zurückzudrängen. Seehofer äußerte die „Erwartung, dass die Türkei Schritt für Schritt die Zahl der nach Deutschland entsendeten Imame reduziert. Wir sorgen für unsere muslimischen Bürgerinnen und Bürger selbst“. Im Bemühen um einen deutschen Islam, „der die Werte des Grundgesetzes teilt und die Lebensart in Deutschland achtet“, sei „die Ausbildung religiösen Personals in Deutschland und in deutscher Sprache ein wesentlicher Teil“ (1).

Da hat Seehofer die zentrale Botschaft des Islam offensichtlich nicht verstanden. Der Islam – egal ob türkisch, arabisch oder deutsch – unterscheidet klar zwischen Gläubigen und Ungläubigen, zwischen rein und unrein und zwischen dem Haus des Friedens und dem Haus des Krieges. Und vieles, was im Grundgesetz steht, ist mit dem Islam eben nicht vereinbar. Und auch die Lebensart in Deutschland in vielen Bereichen nicht. Nicht umsonst gibt es seit Jahrzehnten zahllose Klagen von Muslimen, die behaupten, deutsche Gesetze und deutsche Lebensart hindern sie daran, ihren Glauben zu praktizieren. Zum Beispiel das Tierschutzgesetz (Schächten) oder das Bestattungsgesetz (sarglose Bestattung). Selbst die Badeordnung in öffentlichen Bädern wird kritisiert, wenn im Schwimmbecken Bikinis erlaubt, aber Vollverschleierung verboten ist. Oder wenn Männer und Frauen gemeinsam schwimmen. Muslime fordern ständig Sonderregelungen und Befreiung von deutschen Gesetzen: Polygamie und Kinderehe, Kopftücher für Richterinnen und Lehrerinnen, Befreiung vom Schwimmunterricht und von Klassenfahrten und vieles mehr. Was deutsche Imame daran ändern sollen, bleibt das Geheimnis Seehofers.

Dabei wurden die Pläne, Imame in Deutschland ausbilden zu lassen, schon lange realisiert. Es gibt zwischenzeitlich mehrere Universitäten – u.a. in Münster, Osnabrück und Tübingen – mit entsprechenden Studiengängen. Hamed Abdel-Samad – einer der bekanntesten Islam-Kritiker – bis von Kurzem Mitglied in der Islam-Konferenz des Innenministers, berichtete in einem Interview, dass die Islamverbände es abgelehnt hatten, Absolventen deutscher Universitäten einzustellen. Begründung des Chefs des Ditib-Verbands: „Wir können diese Imame nicht einstellen, weil die unseren Standards nicht entsprechen“. Gemeint ist damit vermutlich, dass sie den türkischen Nationalismus und den Erdogan-Kult nicht mittragen. Nach Auffassung von Hamed Abdel-Samad sind die Islamverbände nicht an einer Integration interessiert. Und sie lehnen die Erörterung von Themen wie Radikalisierung und Antisemitismus junger Muslime und Gleichberechtigung von Mann und Frau grundsätzlich ab (2).

Ob in türkisch oder deutsch, ist dann egal.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html 11.11.2020
(2) https://www.cicero.de/innenpolitik/hamed-abdel-samad-islamkonferenz-terror-integration

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