CDU ZEIGT IHR FAMILIEN-IDEALBILD: (schwarzer) Vater, (weiße) Mutter, Kind – fast wie bei der AfD

Guten Morgen liebe Hessen,

in Hessen gibt es seit einiger Zeit die Familienkarte, die auf Antrag an alle hessischen Familien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren herausgegeben wird. Die Karte ist kostenlos und einkommensunabhängig und umfasst einen Unfallversicherungsschutz, Serviceleistungen für Familien und verschiedene Vergünstigungen bei Partnerunternehmen (1). Die hessische CDU wirbt als eine der Initiatoren für die Familienkarte und zeigt auf einem Foto dabei auch eine Kleinfamilie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind. Auffällig dabei: der Vater ist dunkelhäutig.

Dieses Bild löste einen „Shitstorm von rechts“ aus. In mehr als 2.000 Facebook-Kommentaren war das Bild ein Thema, teilweise wurde die hessische CDU-Fraktion „wüst beschimpft“. Viele Kommentatoren „äußerten sich rassistisch, empörten sich über eine „Afrikanisierung Europas“ oder einen angeblichen „Bevölkerungsaustausch“ und klagten, dass sich die CDU von „traditionellen Werten“ verabschiede“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag bezeichnete den Shitstorm als „einfach inakzeptabel“, die Unionsfraktion stehe zu diesem Bild (2).

Dabei ist die Kritik an dem Foto mehr als berechtigt. Aber nicht etwa wegen des dunkelhäutigen Vaters. Der repräsentiert zwar nur eine kleine Gruppe von Vätern in diesem Lande und ist insoweit eher untypisch. Aber er und seine Kleinfamilie stehen für ein völlig antiquiertes und längst überholtes Familienbild, wie es nur noch im Wahlprogramm der reaktionären AfD zu finden ist. Denn das Foto zeigt ganz augenscheinlich ein Elternpaar, das aus einem (einzigen) Mann und einer (einzigen) Frau besteht sowie ihrem gemeinsamen Kind. Gerade dieser letzte Umstand wird durch die Physiognomie des Kindes deutlich unterstrichen. Es ist also ein Familienbild, das geprägt ist von der Beziehung bzw. Ehe zwischen zwei – und genau zwei – Personen männlichen bzw. weiblichen Geschlechts und dem aus dieser Beziehung hervorgegangenen Nachwuchs.

Reaktionär alleine deshalb, weil damit in perfider Weise dem unbefangenen Betrachter der Eindruck vermittelt werden soll, dass diese – eigentlich natürliche – Konstellation der Normalfall sein soll und dass andere Formen der Familie überhaupt nicht existieren. Dabei ist die Vielfalt der bunten Familie längst Realität in diesem Lande. Warum zeigt die CDU kein schwules (weißes) Paar mit einem dunkelhäutigen Kind. Oder eine Patchwork-Familie, bestehend aus drei Männern, fünf Frauen (von denen mindestens eine ein Kopftuch trägt) und zwei weiteren Personen mit wechselndem, unbekannten oder nicht identifizierbarem Geschlecht. Und natürlich zahlreichen Kindern unterschiedlichster Hautfarben und Geschlechter.

Das CDU-Foto zementiert so in unerträglicher Weise das antiquierte Familienbild „Vater-Mutter-Kind(er)“ und grenzt dabei ganz bewusst Schwule, Lesben und Diverse – kurz die ganze LGBTQIA+-Community (oder wie sie sich derzeit nennt) – aus. Die CDU outet sich damit trotz ihrer angeblichen – und auf den ersten Blick überzeugend vorgetragenen – Fortschrittlichkeit als Partei des tiefsten Mittelalters, verhaftet in den antiquierten Familienvorstellungen des Alten Testaments. Von dieser Partei hätte man – vor allem im Hinblick auf den Einfluss des grünen Koalitionspartners – mehr Sensibilität gerade bei diesem Thema erwartet.


Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.familienkarte.hessen.de/Die-Familienkarte
(2) https://www.fr.de/rhein-main/hessen-cdu-erntet-shitstorm-rechts-wueste-beschimpfungen-facebook-13498196.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren