Chef des Restaurant „Zum Mohrenkopf“ erklärt: „…möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden.“

Guten Morgen liebe Hessen,

Es gibt Menschen mit heller Hautfarbe und solche mit dunkler Hautfarbe. Das ist eine offensichtliche Tatsache und darf derzeit (noch) behauptet und festgestellt werden. Und für Menschen mit dunkler Hautfarbe gab es früher – zu Unterscheidung von solchen mit heller Hautfarbe – auch eigene Bezeichnungen, z.B. „Mohr“ oder „Neger“. Diese Bezeichnungen waren über Jahrhunderte üblich und wurden von niemandem beanstandet. Und so gab es z.B. bis vor einigen Jahren noch den Sarotti-Mohren, der bei Alt und Jung beliebt war, weil er leckere Süßigkeiten verteilte („Vielen Dank singt man im Chor, vielen Dank Sarotti-Mohr“). Aus Sicht des Vorsitzenden der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tahir Della, ein rassistisches Symbol, das dringend entfernt werden muss (1). Die Firma Sarotti hat den Mohren inzwischen durch eine weniger rassistische Werbefigur ersetzt, aber damit ist es natürlich nicht getan. Denn der Mohr lauert überall: in der Mohrenstraße, beim Mohren-Bräu, beim Hotel drei Mohren (in Augsburg) und in zahllosen Mohren-Apotheken. Da gibt es viel zu tun.

Und die Aktion Mohren-Umbenennung ist bereits in vollem Gange. Das Hotel Drei Mohren in Augsburg wurde bereits umbenannt, viele Mohren-Apotheken haben zumindest die bildliche Darstellung des Mohren aus ihrem Logo entfernt und auch die diversen Mohren-Straßen werden nach und nach umbenannt, sie wie kürzlich die U-Bahn-Station Mohrenstraße in Berlin (2). Und damit das auch schnell und reibungslos verläuft, wird nachgeholfen. So wie kürzlich in Frankfurt. Da gibt es auf der Großen Friedberger Straße eine Mohrenapotheke. Die heißt so, weil das historische – um 1900 errichtete – Gebäude ebenfalls „Zum Mohren“ heißt. Die Bezeichnung ist an der Sandstein-Fassade zu lesen und darf aus Gründen des Denkmalschutzes weder entfernt noch überklebt werden (3). Dennoch verlangte vor einigen Jahren die Kommunale Ausländervertretung (eine nach der HGO vorgeschriebene, aber dennoch überflüssige Einrichtung) die Umbenennung dieser und einer anderen Frankfurter Mohrenapotheke.

Und da sich der Eigentümer der Forderung widersetzte, wurde die Apotheke jetzt mit roter Farbe beschmiert – eine erste Warnung. Was danach folgt, kann man sich vorstellen: Scheiben einwerfen, Demolieren der Inneneinrichtung, möglicherweise sogar körperliche Angriffe auf das Personal. Soweit wollte es der Apotheker aber wohl nicht kommen lassen. Er hat nun angekündigt, seine Apotheke umzubenennen. Vermutlich werden andere Apotheker seinem Beispiel folgen, auch wenn die Umbenennung einer Apotheke alleine wegen der Verwaltungsgebühren erhebliche Kosten verursacht.

Was dann wahrscheinlich als einziges nach der landesweiten antirassistischen Säuberungsaktion übrigbleiben wird, ist das Restaurant „Zum Mohrenkopf“ in Kiel. Ein Name, der die Umbenennungs-Aktivisten – und vor allem den Vorsitzenden der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland extrem stören dürfte. Aber hier zeigt sich eine unerwartete – und unübersteigbare – Hürde für die Aktivisten: der Inhaber des Restaurants heißt Andrew Onuegbu und ist selbst ein „Mohr“, d.h. er besitzt eine dunkle Hautfarbe. Und genau deshalb hat er sein Lokal „Zum Mohrenkopf“ genannt. Aber wohl nicht nur, um sich von den vielen anderen Restaurants werbewirksam abzugrenzen, sondern weil „der Mohrenkopf im Mittelalter eine Auszeichnung für gutes Essen“ war. Und sein Lokal möchte er in keinem Fall umbenennen (4). Und auch für seine weißen Mitmenschen hat er einen guten Rat: „Ich möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden. Das ist auch eine Form von Rassismus“ (5). Besser hätte man es nicht formulieren können.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.mannheim-umgestaltete-sarotti-mohr-werbung-wird-erstmals-gezeigt.ac10e16d-2e88-4b07-ba64-b9c9abaac07e.html
(2) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-07/mohrenstrasse-berlin-umbenennung-glinkastrasse-u-bahnstation-bvg
(3) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466155/42
(4) https://www.rnd.de/panorama/kieler-restaurant-zum-mohrenkopf-warum-ein-schwarzer-gastronom-sein-lokal-nicht-umbennen-will-IP4ZSRMOHFCCXLAFCPNBBZWCGY.html
(5) http://zum-mohrenkopf.de/

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