CONTAINERSCHIFF „MARINA“ Mannschaft sucht Schutz vor Schutzsuchenden

Guten Morgen liebe Hessen,

Das Containerschiff „Marina“ der Reederei Klingenberg verkehrt seit vielen Jahren zwischen Tunesien und Malta – also in einem Bereich, in dem es – verglichen mit anderen Regionen der Weltmeere – besonders häufig zu Seenot-Situationen kommt. So auch kürzlich: die „Marina“ rettete 79 Personen – 76 Männer und 3 Frauen – aus einem seeuntüchtigen Gefährt. Das Schiff durfte dann jedoch nicht – wie geplant – in Malta anlegen. Und auch andere Häfen weigerten sich, die Geretteten an Land zu lassen. Das Schiff konnte mehrere Tage keinen Hafen anlaufen und so wurde die Situation an Bord ungemütlich (1).

Verständlich: das Containerschiff hat 13 Mann Besatzung. Für die sind an Bord Schlafkojen und Toiletten vorhanden und auch ausreichend Proviant. Nicht aber für fast 80 weitere Personen. Für Personen, die aus echter Seenot gerettet wurden, wäre das kein Grund zur Unzufriedenheit. Wer vor dem sicheren Ertrinken im offenen Meer gerettet wird, ist froh, überlebt zu haben und nimmt Unzulänglichkeiten – wie fehlende Schlafplätze oder unzureichende sanitäre Anlagen – gerne in Kauf. Wer sich jedoch vorsätzlich in Seenot begibt, um seinen vermeintlichen Anspruch auf ein besseres und müheloses Leben durchzusetzen, sieht das möglicherweise anders.

Wie auch immer: die Schutzsuchenden mussten auf dem Schiff „schutzlos und ohne Sanitäranlagen“ im Freien übernachten, was zu erheblichem Unmut und Aggressivität unter den Passagieren sorgte. Die Schiffsbesatzung fürchtete weitere Eskalationen und flüchtete in den hinteren Teil des Schiffes. Dazu der Reeder im NDR-Bericht: „Ja, es soll wohl unter den Geretteten mehrere Gruppierungen auch geben, sind ja auch verschiedene Nationalitäten an Bord. Dass es dort aggressive Handlungen gab, von, ja, wie soll man’s sagen, Schlägereien, angeblich sogar aber auch Messerstechereien sollen dabei gewesen sein. Laut Aussage vom Kapitän jedenfalls“ (1).

Mehrere Gruppierungen und Nationalitäten sind also auf dem Schiff in Streit geraten – also vermutlich genau dieselben Konstellationen, die in den Heimatländern der Geretteten für dauerhafte Konflikte sorgen. Da streiten sich seit Jahrhunderten unterschiedliche ethnische Gruppierungen, unterschiedliche Nationalitäten und unterschiedliche Religionen – die üblichen Verteilungskämpfe um Land, Ressourcen und Macht. Und diese Konflikte nehmen sie mit auf das rettende Schiff und vermutlich auch dorthin, wo sie an Land gehen. Vorläufig war das Sizilien. Aber dort werden die Schutzsuchenden sicher nicht bleiben. Die meisten von ihnen werden nach Deutschland kommen und viele von ihnen werden ihre Kultur und ihre Konflikte mitbringen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Reederei-Gerettete-Menschen-verlassen-Containerschiff,marina146.html

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