Corona in Asyl-Unterkünften – Abstandsregeln kaum einzuhalten

Guten Morgen liebe Hessen,

Zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung des Corona-Virus haben Bund und Länder Verordnungen erlassen, die die Einhaltung von Mindestabständen zu anderen Personen vorsehen. Die Einhaltung dieser Regeln ist in Gemeinschaftsunterkünften erschwert, so dass in diesen Einrichtungen das Risiko der Ausbreitung größer ist. Dies gilt insbesondere auch für Asylbewerberunterkünfte. Hier kommt hinzu, dass die Vermittlung der Regeln durch sprachliche und kulturelle Barrieren erschwert wird.

In einer Flüchtlingsunterkunft im Schweriner Stadtteil Stern-Buchholz, in der etwa 550 Personen untergebracht sind, wurden mehrere Mitarbeiter des Betreibers positiv auf das Coronavirus getestet. Dies wurde vom zuständigen Innenministerium nach längerem Zögern öffentlich kommuniziert. Die Mitarbeiter wurden in Quarantäne geschickt. Die zuständige Mitarbeiterin des Schweriner Gesundheitsamtes teilte mit, dass „die Durchsetzung der strengen Hygienemaßnahmen, insbesondere das Kontaktverbot untereinander, nun noch konsequenter kontrolliert und geahndet“ würden. Bedeutet im Klartext wahrscheinlich: bisher wurde nicht kontrolliert oder jedenfalls nicht so, wie es erforderlich gewesen wäre. Hinweise hierfür gibt es aus der Unterkunft: „Ob infiziert oder nicht – hier laufen alle fröhlich kreuz und quer durch die Gegend“ (1).

Wenige Tage später wurde über mindestens 43 infizierte Flüchtlinge berichtet. In der Unterkunft sollen die Corona-Regeln (Mindestabstand, Abschirmung des Quarantäne-Blocks) nur unzureichend eingehalten worden sein. Weder Betreiber noch Behörden äußerten sich hierzu. BILT traf sich mit zwei Mitarbeiterinnen des Betreibers – Malteser-Hilfsdienst – die berichteten: „Ein Syrer und zwei Tadschiken, alle mit Corina infiziert, haben die Parchimer Einrichtung heimlich verlassen und waren tagelang verschwunden. Das sollte geheim gehalten werden!“. In der Unterkunft selbst gab es „kaum eine Trennung zwischen Quarantäne-Migranten, noch nicht getesteten Neuankömmlingen und potentiell Infizierten. Man stieg über Zäune, feierte mit den Kumpels Partys“. Zeitweise hätten sich „bis zu 90 Zuwanderer in den Stadtbus gezwängt“ (2).

Das Innenministerium versuchte, die Wogen zu glätten und verwies darauf, dass „sich die weit überwiegende Mehrheit der Bewohner vorbildlich verhält und die geforderten Abstände und Kontakteinschränkungen befolgt“ (3). Das bedeutet jedoch, dass es eben auch einige gibt, die sich nicht an die Bestimmungen halten. Und das könnten angesichts einer Gesamtzahl von 550 und der Formulierung („die überwiegende Mehrheit“) durchaus 200 sein. Das ist jedoch von untergeordneter Bedeutung, da bereits ein einzelner Infizierter in kurzer Zeit eine Vielzahl weiterer Personen anstecken kann, die dann ihrerseits das Virus weiterverbreiten können.

Und so stellt sich die Frage, ob es in der aktuellen Ausnahme-Situation überhaupt verantwortet werden kann, in großer Zahl Personen im Land aufzunehmen, die – mangels Alternativen – in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden müssen, in denen die Einhaltung der wesentlichen Pandemieregeln deutlich erschwert ist und zudem den Bewohnern alleine aufgrund sprachlicher Hürden kaum vermittelt werden kann.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/coronavirus-frisst-sich-durch-fluechtlingsheim-0138916704.html
(2) https://www.bild.de/regional/mecklenburg-vorpommern/mecklenburg-vorpommern-news/asylbewerberheim-in-schwerin-wie-gross-ist-die-corona-gefahr-69973962.bild.html?wtrid=kooperation.reco.taboola.free.bild.desktop
(3) https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/corona-faelle-im-fluechtlingsheim-beschaeftigen-politik-0338942204.html

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