CORONA Katastrophe in den Entwicklungsländern: Gerade jetzt wird fehlgeleitete Entwicklungshilfe deutlich

Guten Morgen liebe Hessen,

In der aktuellen Corona-Krise sind alle mit sich selbst beschäftigt. Da geraten die Einwicklungsländer schnell aus dem Blickfeld, obwohl die von der Krise genauso betroffen sind wie andere auch. Oder eigentlich schlimmer. Denn die Pandemie trifft hier auf ein ohnehin überfordertes Gesundheitssystemen und eine schwache Wirtschaft – eine Mischung mit „explosivem Potenzial“. Denn die Beherrschung der Pandemie ist in Entwicklungsländern deutlich erschwert. Das Abstandsgebot ist in Slums nicht einzuhalten, Hygienevorschriften ohne Wasser und Seife auch nicht. Und Desinfektionsmittel gibt es ohnehin keine, genauso wenig wie Schutzkleidung, Krankenhäuser und Ärzte. In Simbabwes Hauptstadt Harare mit rund 1,5 Millionen Einwohnerin gibt es genau ein Beatmungsgerät. Und das kann sich ohne Krankenversicherung ohnehin niemand leisten (1).

Viele verlangen, dass der „reiche Westen“ hier eingreifen und helfen muss. Hier stellt sich zunächst die Frage: sind wir wirklich reich? Ein Land, das zwar genügend gut ausgestattete Kliniken und gut ausgebildetes Personal hat, aber dafür keine Schutzkleidung. Und was nützt dem Corona-infizierten Patienten, wenn er krankenversichert ist, er aber mangels Schutzausrüstung von niemandem an die zahlreich vorhandenen Beatmungsgeräte angeschlossen werden kann?

Aber selbst wenn der Westen – gemeint ist vermutlich primär die Europäische Union – reich wäre, ist er kaum in der Lage, allen Entwicklungsländern Hilfe zu leisten. Rechnen wir einfach mal nach: die EU hat 500 Millionen Einwohner, Afrika 1,3 Milliarden – also zweieinhalbmal so viele. Weiterhin: um nur die einfachsten Abstandsregeln einzuhalten, müssten alle Slums beseitigt und durch Wohnhäuser, wie wir sie kennen, ersetzt werden. Selbst wenn das Geld dafür da wäre, könnten die Häuser nicht errichtet werden, weil Baumaterial und Facharbeiter fehlen. Und schnell würde es ohnehin nicht gehen. In vielen Regionen fehlt zudem die einfachste Infrastruktur wie Wasserversorgung als Grundvoraussetzung einer angemessenen Hygiene. Und es fehlen Krankenhäuser und das dazugehörige Personal. Fazit: um die Entwicklungsländer Afrikas in einen Zustand zu versetzen, dass er von der Infrastruktur und dem Personal in der Lage wäre, der Pandemie in derselben Weise zu begegnen wie die Staaten der EU, wären 50 bis 100 Jahre Zeit erforderlich. Und das würde auch nur dann funktionieren, wenn vor Ort der Wille vorhanden wäre, die Länder tatsächlich weiter zu entwickeln.

Da bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Seit der Entlassung der meisten afrikanischen Staaten in die Unabhängigkeit sind nunmehr 60 Jahre vergangen. Wirtschaftlich und politisch stehen die meisten Länder heute schlechter da als 1960 – trotz guter Voraussetzungen.

Und so werden die Industrieländer die Forderung, den Entwicklungsländern zu helfen, umsetzen wie bisher auch: man überweist Geld, das aber nie dort ankommt, wo es theoretisch helfen könnte. Man schickt vielleicht Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel, die aber auch nicht dort ankommen, wo sie benötigt werden, sondern wahrscheinlich bei kriminellen Händlern, die sie meistbietend verkaufen. Und wenn sie bei der Bevölkerung ankommen, dürften sie weitgehend nutzlos sein, weil die übrigen Voraussetzungen einer wirksamen Pandemie-Bekämpfung nicht vorliegen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-04/entwicklungslaender-coronavirus-pandemie-hunger-armut-unruhen/komplettansicht

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