Corona-Maßnahmen sind durchaus zu kritiseren aber auch hier gilt Wissenschaft vor Ideologie

Guten
Morgen liebe Hessen,

Die
Parteien in Deutschland haben sich weitgehend von wissenschaftsbasiertem
Handeln verabschiedet. Selbst einfachste und leicht verständliche Naturgesetze
werden ignoriert. Beispiele gibt es viele. So soll es bei der „Energiewende“ nur
noch „erneuerbare Energie“ geben. Dabei weiß jeder aus dem Physikunterricht
(falls er an einem solchen teilgenommen hat), dass Energie nicht erneuerbar
ist. Und dass es Wind- und Sonnenenergie nur bei einer bestimmten Wetterlage
gibt, wird auch ausgeblendet. Ähnliches ist im Bereich Biologie zu beobachten.
Grundlegende Fakten werden einfach missachtet. Der Gesetzgeber will zukünftig
eine „Geschlechtsumwandlung“ durch einfache Erklärung gegenüber einem
Standesbeamten erlauben. Dabei ist das Geschlecht ein unveränderliches Merkmal
jedes Menschen, das nicht „umgewandelt“ werden kann. Doch wer dies öffentlich
behauptet, wird von der Bundesregierung als „transphob“ und
wissenschaftsfeindlich stigmatisiert.

Dabei
ist Wissenschaftsfeindlichkeit und Leugnung offensichtlicher Fakten inzwischen
ein Merkmal aller Parteien. Selbst die AfD ist davon nicht ausgenommen –
jedenfalls einige ihrer Vertreter im Bundesvorstand. Diese kritisieren –
teilweise zu Recht – die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie von der
Regierung getroffenen Maßnahmen, bewegen sich dabei aber auch weit weg von
wissenschaftlichen Erkenntnissen. Da wird z.B. behauptet, dass willkürlich –
und ohne „die nachweislich fehlende Evidenz“ – Maßnahmen festgelegt wurden,
u.a. Maskenpflicht und Abstandsgebote (1). Dabei würden die Masken
„erwiesenermaßen nur unzureichend vor einer Infektion schützen, dafür aber
jedoch Inhaltsstoffe enthalten, die den Träger bei Dauergebrauch massiv
schädigen“ (2).

Das
ist natürlich Nonsens. Dass die Bedeckung von Nase und Mund vor Infektionen
schützt, ist seit mehr als 150 Jahren bekannt. Und genauso lange tragen
weltweit alle Chirurgen bei ihrer operativen Tätigkeit einen Mundschutz – und
das jeden Tag über viele Stunden. Und noch nie ist ein Fall bekanntgeworden,
bei dem ein Chirurg durch den Dauergebrauch „massiv geschädigt“ wurde.
Chirurgen haben zwar eine geringere Lebenserwartung als der Durchschnittsbürger,
aber das liegt nicht an den Masken, sondern am Stress, dem Alkohol und Nikotin.
Und selbstverständlich bieten Masken keinen absoluten Schutz vor aerogen
übertragene Infektionen, aber sie reduzieren das Transmissionsrisiko in
Abhängigkeit verschiedener Faktoren deutlich (3, 4, 5). Masken stellen in einer
Pandemie jedoch nur eine Komponente der Schutzmaßnahmen dar. Weitere wichtige
Komponenten sind Einhaltung von Abständen und Hygieneregeln (6). Dass mit zunehmendem
Abstand das Transmissionsrisiko reduziert wird, ist jedem Laien sofort
einsichtig (7).

Schutzmaßnahmen
sind daher in einer Pandemie sinnvoll und effektiv, müssen aber transparent und
zielgerichtet eingesetzt werden. Das war in der Vergangenheit häufig nicht der
Fall, da Maßnahmen ständig geändert wurden und zeitgleich in verschiedenen
Bundesländern völlig unterschiedlich. Das ist für den Bürger nicht
nachvollziehbar und reduziert die Akzeptanz deutlich. Aber auch die
kategorische Ablehnung sinnvoller, effektiver und einfach zu praktizierender
Schutzmaßnahmen ist nicht wissenschaftsbasiert, sondern weist nur auf ein
ideologisch verengtes Blickfeld hin.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.afd.de/martin-reichardt-mit-dem-gesetzentwurf-des-infektionsschutzgesetzes-geht-der-massnahmenwahnsinn-weiter/

(2) https://www.afd.de/christina-baum-keine-impfpflicht-durch-die-hintertuer/

(3) Chu DK, Akl EA, Duda S, Solo K, Yaacoub S,
Schünemann HJ; COVID-19 Systematic Urgent Review Group Effort (SURGE) study
authors. Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent
person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review
and meta-analysis. Lancet 2020; 395(10242): 1973-1987. doi:
10.1016/S0140-6736(20)31142-9

(4) Cowling BC, Ali ST, Ng TWY, Tsang TK, Li JCM,
Fong MW, Liao Q, Kwan MYW, Lee SL, Chiu SS, Wu JT, Wu P, Leung GM. Impact
assessment of non-pharmaceutical interventions against coronavirus disease 2019
and influenza in Hong Kong: an observational study. April 17,
2020DOI:https://doi.org/10.1016/S2468-2667(20)30090-6 [preprint]

(5) Howard J., Huang A, Li Z, Tufekci Z, Zdimal V,
van der Westhuizen H, von Delft A, Price A, Fridman L, Tang L, Tang V, Watson
GL, Bax CE, Shaikh R, Questier F, Hernandez D, Chu LF, Ramirez CM, Rimoin AW.
Face masks against COVID-19: An evidence review. Preprints 2020, 2020040203
(doi: 10.20944/preprints202004.0203.v1)

(6) https://www.mpg.de/16926436/gesichtsmasken-corona-infektion-covid-19

(7)
https://www.mpg.de/17915640/corona-risiko-maske-schutz

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