Corona Regeln für Alle? Profi-Fußball will Ausnahmen

Guten Morgen liebe Hessen,

Während die meisten Bürger und Unternehmen die verordneten Kontaktsperren und sonstigen Einschränkungen widerspruchslos zur Kenntnis nahmen und ganz überwiegend auch befolgten, war von Fußball-Funktionären häufiger Kritik an den nach ihrer Auffassung unverhältnismäßigen Maßnahmen zu hören. Teilweise verständlich, denn der Profifußball setzt hohe Beträge um, kann aber nur dann Einnahmen generieren, wenn Spiele stattfinden. Thomas Müller hat während der Corona-Krise seinen Vertrag verlängert mit einem geschätzten Jahresgehalt von 15 Millionen Euro. Der Spielervermittler Jörg Neblung jammerte gegenüber dem Portal transfermarkt.de: „in den nächsten zwei Jahren wird es tendenziell keinen 300-Millionen-Transfer geben“. Für ihn wohl eine als existenzbedrohend empfundene Katastrophe.

Bisher hat der Profi-Fußball zahllose Skandale unbeschadet überstanden: betrügende Schiedsrichter, die vorgegebene Ergebnisse verkauften genauso wie dubiose Zahlungen im Zusammenhang mit der WM 2006 oder den Verkauf der WM-Turniere an Russland oder Qatar. Und so ist es fast konsequent, wenn Fußball-Funktionäre wie der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Gesundheitsgefahr des Virus bagatellisiert oder Horst Heldt vom 1. FC Köln den Wunsch des Bayerischen Ministerpräsidenten Söder, die Profis sollten auf Gehalt verzichten, als „populistische Scheißausdrücke“ bezeichnete (1).

Und so widersetzte sich der Profifußball lange irgendwelchen Corona-bedingten Einschränkungen – auch zu einem Zeitpunkt, zu dem andere bereits in den Stillstand-Modus umgeschaltet hatten. So fand noch am 8. März 2020 das Spiel Bayern München gegen Augsburg in einer ausverkauften Arena statt, obwohl die Politik zu diesem Zeitpunkt bereits dringend empfohlen hatte, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abzusagen. Am 9. März 2020 spielte der VfB Stuttgart gegen Bielefeld, einen Tag später Leipzig gegen Tottenham, beide vor ausverkauften Stadien. Und während im ganzen Land alle Aktivitäten ruhen, haben die Fußballer bereits wieder angefangen, zu trainieren und planen die ersten Spiele vor leeren Stadien („Geisterspiele“). Damit möchten sie ihre Verluste in Grenzen halten.

Diese Pläne stoßen weithin auf Ablehnung, da der Eindruck entsteht, dass für den Profifußball Sonderregelungen geplant sind. Wie soll man Freizeitkickern erklären, dass sie wegen Corona nicht spielen dürfen, die Bundesliga aber doch. Und auch wenn die Deutsche Fußball-Liga einen 31-Punkte-Maßnahmenkatalog vorgelegt hat, mit dem das Infektionsrisiko minimiert werden soll, bleibt Fakt, dass in einem Spiel ein enger Körperkontakt nicht vermeidbar ist. Immerhin sieht der Katalog eine engmaschige Testung der Spieler, Trainer und Betreuer vor. Dadurch wird aber Testkapazität gebunden, die an anderer Stelle – z.B. in Pflegeheimen oder Schulen – dringend benötigt würde.

Ein Problem wird bei den Geisterspielen – wohl ganz bewusst – ausgeblendet. Nicht alle Fußballfans werden die Spiele alleine zuhause vor dem Fernseher anschauen. Viele suchen den Kontakt zu Gleichgesinnten und werden sich zum gemeinsamen Fußballerlebnis verabreden – zuhause, im Vereinsheim oder wo auch immer. Und dort werden dann zahlreiche Fans in engem Kontakt und mehr oder weniger alkoholisiert den Sieg der eigenen Mannschaft feiern oder die Niederlage begießen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/sport/2020-04/bundesliga-fussball-spiele-corona-krise-spielbetrieb-geisterspiele/komplettansicht

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren