Debatte über M*-,N*- oder XY*-Wort unnötig: Der Mensch bleibt wie er ist

Guten Morgen liebe Hessen,

In Frankfurt regiert derzeit eine Viererkoalition aus Grünen, SPD, FDP und VOLT – eine hochexplosive Mischung, die sich bereits in nebensächlichen Fragen zeigt. So hatten die Grünen vor einigen Monaten einen Antrag formuliert, mit dem das N*Wort („Neger“) und das M*Wort („Mohr“) „geächtet“ werden sollten. Denn – so die Begründung – das M*- und das N*Wort werde von vielen schwarzen Menschen und Menschen of Color mit „Leid, Gewalt, Diskriminierung und Entmenschlichung“ verbunden. Mit diesen beiden Wörtern seien „viele rassistische Stereotypen verknüpft“. Die Vereinten Nationen haben seit 2015 die „Dekade für Menschen afrikanischer Abstammung ausgerufen. Dazu gehöre neben dem Schutz vor Rassismus und Diskriminierung auch die Förderung der besseren Kenntnis und Wertschätzung des Beitrags zur Entwicklung unserer Gesellschaft von Menschen afrikanischer Abstammung“. Die Stadt Frankfurt solle daher feststellen, dass „das N*Wort und deren Benutzung rassistisch ist, soll Frankfurt als eine der vielfältigsten Städte Deutschlands nicht nur das N*Wort, sondern auch das M*Wort ächten und damit anerkennen, dass diese beiden Begriffe rassistisch sind und jegliche Benutzung dieser beiden Wörter als diskriminierend aufgefasst wird“.

Der Antrag wurde in der Koalitionsrunde jedoch nicht von allen Koalitionspartnern angenommen, sondern von der FDP abgelehnt. Nach der Koalitionsvereinbarung kann er daher nicht ins Parlament eingebracht werden. Damit wäre der Fall eigentlich erledigt gewesen. Aber offensichtlich hatte jemand den Antragstext der Satirepartei „Die PARTEI“ zukommen lassen, die diesen Antrag nunmehr unter eigenem Namen – aber mit unverändertem Text (NR 198) – dem Parlament vorlegte und damit die Autoren in die missliche Lage brachten, ihren eigenen Antrag ablehnen zu müssen (1).

Dabei ist es völlig egal, ob der Antrag eine Mehrheit findet oder nicht. Denn die „Ächtung“ der beiden Begriffe hat nur deklaratorischen Charakter. Wer „Mohr“ und „Neger“ sagen will, macht das weiterhin und auch die beiden Mohrenapotheken der Stadt werden nicht umbenannt werden – ebenso wenig wie die zahlreichen Personen mit dem Namen Mohr oder Neger. Und so werden die vielen schwarzen Menschen und Menschen of Color weiterhin mit Begriffen konfrontiert werden, die sie mit „Leid, Gewalt, Diskriminierung und Entmenschlichung“ und „rassistischen Stereotypen“ verbinden.

Aber selbst wenn die beiden Begriffe von niemandem mehr verwendet werden: es würde an der Situation schwarzer Menschen in Deutschland nichts ändern. Deren Hautfarbe wäre nach wie vor schwarz und sie würden nach wie vor in der weißen Mehrheitsgesellschaft auffallen. Und selbstverständlich würde es auch weiterhin viele Vermieter und Arbeitgeber geben, die bei der Vergabe einer Wohnung oder eines Jobs weiterhin einen Weißen bevorzugen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/468532/34

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