Der neue Gesundheitsminister

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit wenigen Tagen ist die neue Bundesregierung im Amt. Für viele überraschend kam die Berufung von Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister. Überraschend deshalb, weil nach der Quotenregelung eigentlich eine Frau das Amt hätte übernehmen müssen und vor allem auch deshalb, weil er – im Gegensatz zu vielen anderen Ministern – von der Materie tatsächlich etwas versteht. Das Bundesgesundheitsministerium war traditionell immer ein Ministerium von untergeordneter Bedeutung und reserviert entweder für die Quotenfrau (die es schon bei Adenauer gab) oder einen Parteipolitiker, dem man aus Proporzgründen ein Ministerium übertragen musste, der dafür aber eigentlich ungeeignet war. Zu den Amtsinhabern zählten u.a. Rita Süssmuth, Andrea Fischer und Ulla Schmidt sowie Horst Seehofer, Hermann Gröhe (Flaggen-Gröhe) und Daniel Bahr.

Heute ist das anders. Angesichts der Corona-Pandemie ist der Gesundheitsminister zu einem der wichtigsten Minister geworden und hält eine erhebliche Machtfülle in der Hand. Das gilt vor allem für Karl Lauterbach, der Humanmedizin studierte und anschließend an der Harvard School of Public Health einen Master of Public Health (MPH) mit Schwerpunkten Epidemiologie und Health Policy and Management erwarb. Sein direkter Vorgänger Jens Spahn dagegen absolvierte lediglich eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank in Münster und studierte Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen.

Somit wurde jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik das Gesundheitsministerium mit einem kompetenten Fachmann besetzt – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem dies dringender erforderlich erscheint als jemals zuvor. Das bedeutet nicht, dass Lauterbach zukünftig keine Fehler machen wird – aber die Wahrscheinlichkeit, dass er diese Fehler wegen fehlender Kompetenz begehen wird, ist äußerst gering. Vor allem wird er in der Lage sein, die zahlreichen – und zum Teil sich widersprechenden – Informationen, mit denen er zukünftig konfrontiert sein wird, richtig zu werten und einzuordnen und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Das sind immerhin gute Voraussetzungen dafür, dass zum einen die Pandemie-Situation in absehbarer Zeit beherrscht werden wird und zum anderen, dass der neue Minister die zahlreichen Baustellen angehen wird, die ihm seine unfähigen Vorgänger/Innen hinterlassen haben: angefangen über den öffentlichen Gesundheitsdienst über das gesamte Krankenhauswesen bis hin zum Abrechnungssystem. Möglicherweise wird Lauterbach sogar das Grundproblem der Krankenhäuser – deren Finanzierung mit dem Zwang zur Gewinnerzielung – angehen und beseitigen können. Besser als seine Vorgänger – und vor allem sein direkter Vorgänger – ist er in jedem Fall.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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