Deutsche Touristen wegen Vergewaltigung festgenommen: Serhat K.(23), Azad K. (22), Yakub (21) und Baran D. (19)

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einigen Tagen meldeten Medien gleichlautend „Deutsche Urlauber auf Mallorca der Gruppenvergewaltigung beschuldigt“ (1, 2), „Frau (18) vergewaltigt – vier deutsche Touristen auf Mallorca festgenommen“ (3) oder „Deutsche Touristen sollen 18-Jährige vergewaltigt haben – Opfer hat Blutergüsse an Hals und Handgelenken“ (4). In praktisch allen Berichten findet sich der Hinweis auf die Nationalität der Tatverdächtigen. Es stellt sich die Frage, ob diese für das Verständnis des Berichts wesentlich ist.
Die Richtlinie 12.1 des Pressekodex regelt, dass die „Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten (…) in der Regel nicht erwähnt werden“ soll (5). Deutsche zählen in Mallorca sicher zu den Minderheiten. Warum also wird die Nationalität der Täter ausdrücklich und im Text mehrfach erwähnt?

Vielleicht will die Presse einfach darauf verweisen, dass die Vergewaltiger endlich mal keine Syrer, Afghanen, Marokkaner oder Sudanesen sind – sondern deutsche und damit zeigen, dass Vergewaltigung daher nichts mit der Herkunft oder Ethnie zu tun hat.

Bei den Lesern, die nur die Überschriften der Artikel lesen, wird dieser Eindruck möglicherweise entstehen. Wer aber in der BILD-Zeitung nicht nur die großformatigen Bilder betrachtet, stößt im Kleingedruckte auf folgenden Satz: „Nur wenige Stunden nach dem Überfall reisten die Verdächtigen Serhat K.(23), Azad K. (22), Yakub (21) und Baran D. (19) ab – wurden jedoch kurz vorm Abflug am Flughafen Palma von Zivilfahndern der Guardia Civil festgenommen“. Heißen Deutsche Serhat, Azad, Yakub oder Baran? Ja, wenn sie oder ihre Eltern aus einem Land eingewandert sind, in dem diese Namen üblich sind und irgendwann die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben.

Im Staatsangehörigkeitsrecht gibt es keinen Unterschied zwischen „Bio“-deutsch und deutsch mit Migrationshintergrund. Und wenn die vier Tatverdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sind sie Deutsche und die Berichte der Presse korrekt. Es wird aber auch die vermutliche Intention deutlich: die Herkunft bzw. der kulturelle Hintergrund der Tatverdächtigen sollen gezielt verschleiert werden.
Mit der Schlagzeile „Deutsche Urlauber auf Mallorca ….“ wird der Gedanke des Lesers unwillkürlich auf den typischen deutschen Malle-Touristen gelenkt: den übergewichtigen Proleten, der sich abends in El Arenal ins Koma säuft. Und mit dem zusätzlichen Hinweis, dass die Tatverdächtigen aus Frankfurt am Main stammen, entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers das Bild des Apfelwein-trinkenden Hessen, der sein Rippchen mit Kraut verzehrt.

Denn eines möchte die Mainstream-Presse in keinem Fall: dass „die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt“ (5). Und da wird der einer Minderheit angehörende Täter einfach zum Angehörigen einer Mehrheit – der Deutschen – gemacht. Und dann ist eine diskriminierende Verallgemeinerung zulässig.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.focus.de/panorama/welt/zugriff-am-flughafen-deutsche-urlauber-auf-mallorca-der-gruppenvergewaltigung-beschuldigt_id_10897798.html
(2) https://www.welt.de/vermischtes/video196382519/Festnahme-am-Flughafen-Deutsche-auf-Mallorca-der-Gruppenvergewaltigung-beschuldigt.html
(3) https://www.bz-berlin.de/welt/vier-deutsche-touristen-auf-mallorca-festgenommen
(4) https://www.bild.de/bild-plus/news/ausland/news-ausland/deutsche-auf-mallorca-vergewaltigt-bluterguesse-an-hals-und-handgelenken-63108954.bild.html?wt_eid=2152531597821869016&wt_t=2156239749173306562
(5) https://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/#panel-ziffer_12____diskriminierungen

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