„DEUTSCHLAND IST GELINKT WORDEN!“ wird nun auch CDU-Abgeordneten Irmer klar. Statt kranker Mädchen kamen junge Männer

Guten Morgen liebe Hessen,

„Deutschland ist gelinkt worden“, stellt der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer fest (1). Die Rede war von der Aufnahme von 47 Flüchtlingen aus Griechenland. Die Bundesregierung hatte sich angesichts der Situation in völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln bereit erklärt, von dort Flüchtlinge aufzunehmen. Natürlich nicht alle oder irgendwelche, sondern diejenigen, die besonders schutzbedürftig sind: unbegleitete Kinder, die erkrankt sind – vorzugsweise Mädchen. Mit dieser humanitären Vorgabe hatte sich die Bundesregierung die allgemeine Zustimmung gesichert. In allen Medien war zu lesen, dass nur kranke und unbegleitete Mädchen aufgenommen werden sollen. Illustriert wurde das meist mit Bildern von drei- bis fünfjährigen Kindern in zerrissener Kleidung, die zwischen Zelten durch Müllberge liefen.

Am Flughafen Hannover bot sich dann ein völlig anderes Bild. Wer erwartet hatte, es würden aus dem Flugzeug dieselben Kinder aussteigen, die in den Zeitungen abgebildet waren, sah sich getäuscht. Fast nur Jugendliche und junge Männer, ordentlich gekleidet mit Smartphones und in bester Laune, die nicht den Eindruck vermittelten, als würden sie an einer Erkrankung leiden und dringende medizinische Hilfe benötigen. Und wer genauer hinschaute, konnte feststellen, dass einige Jugendliche T-Shirts mit provokativer Aufschrift trugen, z.B. „ACAB“ (All Cops Are Bastards = Alle Bullen sind Schweine) oder „Istanbul 1453“. Das fand der CDU-Abgeordnete „mehr als irritierend“ und forderte, dass bei weiteren Aufnahmen Beamte des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vor Ort die Auswahl treffen müssten. Zudem forderte er eine medizinische Altersfeststellung, bevor „angebliche Jugendliche“ nach Deutschland kommen. Und diese müssten dann unterschreiben, „dass sie wirklich allein und unbegleitet sind, damit sie nicht noch weitere Familienangehörige nachholen“ (1).

Hier fragt man sich, ob der Abgeordnete tatsächlich glaubte, es würden kranke Kinder und vorzugsweise Mädchen einreisen. Eigentlich musste jedem klar sein, wer kommen würde: junge, gesunde Männer. Denn – wie Irmer selbst sagt – gibt es auf den griechischen Inseln kaum unbegleitete Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren. Aber offensichtlich hat er nichts dazugelernt. Denn was soll eine Unterschrift bringen, mit der der Schutzsuchende bestätigt, dass er unter 18 und „wirklich alleine“ ist.

Erwartet er ernsthaft, dass jemand, der die Chance hat, aus einem griechischen Flüchtlingslager nach Deutschland zu kommen, ehrliche und korrekte Angaben macht, wenn er dann auf der Insel bleiben muss. Vielmehr wird wahrscheinlich jeder alles unterschreiben, um aus dem Lager zu kommen. Zudem muss auch dem Abgeordneten klar sein: die Jugendlichen sind nicht vom Himmel gefallen, sie haben alle Eltern, Großeltern und Geschwister, die irgendwo leben und nur darauf warten, dass der Sohn nach Deutschland kommt, um dann den Familiennachzug einzufordern.

Und so ist klar, dass der CDU-Abgeordnete nicht nur mit der Flüchtlingsaufnahme gelinkt wurde, sondern dass er wohl auch zukünftig weiterhin gelinkt wird, wenn auch weiterhin junge Männer statt kleiner Mädchen geschickt werden und diese mit Unterschrift – falls sie überhaupt schreiben können – versichern, dass sie alleine sind.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/unmut-in-cdu-ueber-aufnahme-von-fluechtlingen-aus-griechenland/

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