Die (Deutsche) Bahn Debatte

Guten Morgen liebe Hessen,

die Bahn war diese Woche ganz oben in den Schlagzeilen. Allerdings drehte sich die öffentliche Diskussion nicht um ihr Angebot oder das Wetter, sondern um ihren Werbeauftritt. So hatte der Tübinger OB, Boris Palmer (Grüne), viele auf die Palme gebracht, als er am Dienstag eine Werbung der Deutschen Bahn kritisierte, die nach seiner Ansicht zu viele Personen mit Migrationshintergrund zeigte. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragte er da.

Es folgte ein Sturm der Entrüstung nebst Rassismusvorwürfen, wie ihn sonst nur wir als AfD-Politiker kennen, sowie Rufe nach einem Parteiausschluss von Seiten der Grünen. Begründung: Boris Palmer sei ein Rechtspopulist.

Die Bahn reagierte prompt: „Herr Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab. Nico Rosberg, Nazan Eckes und Nelson Müller sind positive und repräsentative Identifikationsfiguren. Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten“ [1].

Nach zahllosen Angriffen – auch aus der eigenen Partei – erklärte Boris Palmer schliesslich, er werde sich zukünftig aus den sozialen Medien zurückziehen und damit dem Vorbild seines Parteichef Robert Habeck folgen [2].

Dabei hat Palmer mit seiner Frage, welche Gesellschaft die Bahn denn darstellen möchte, völlig Recht. Dass die Bahn ihre Aufgabe darin sieht, sich klar zu einer „offenen und bunten Gesellschaft zu positionieren“, führt dazu, dass sie andere Aufgabenfelder vernachlässigt – zum Beispiel Pünktlichkeit, Sauberkeit und Komfort. Wohl jeder Bahreisende hatte bereits „Erlebnisse“ mit nicht funktionierenden Klimaanlagen und Toiletten, Pannen bei der Sitzreservierung oder ausgefallenen Zügen. Gestern führte die Krankmeldung eines einzelnen Bahn-Mitarbeiters dazu, dass Fernzüge über 9 Stunden die Bahnhöfe in Mainz und am Frankfurter Flughafen nicht anfahren konnten [3].

Wie vielfältig die Bahn sein kann, erleben Reisende regelmäßig anhand der unterschiedlichen Verspätungsgründe. Und zur Buntheit gehört natürlich auch das Schwarzfahren. Das ist zwar eigentlich verboten, wird aber hin und wieder von Schaffnern toleriert, die sich nicht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen wollen. Dabei ist bereits der Begriff „Schwarzfahren“ rassistisch und das Kontrollieren von Personen, die besonders oft Opfer rassistischer Anfeindungen werden, auch. Vielleicht wollte die Bahn hier einfach mal ein Zeichen setzen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

[1] https://twitter.com/DB_Presse/status/1120703579025702912

[2] https://www.facebook.com/ob.boris.palmer/posts/2383890484983803

[3] Kronen-Zeitung 29.04.2019

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