Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Hessens Justizministerin (CDU) plant, erzwungenes Kinderfasten zu bestrafen

Guten Morgen liebe Hessen,

im Fastenmonat Ramadan besteht die Vorschrift, innerhalb dieses Monats von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu fasten, d.h. keine Nahrung oder Getränke zu sich zu nehmen. Gerade in Sommermonaten kann dieser Zeitraum bis zu 18 Stunden betragen. Selbst für Gesunde ist eine Flüssigkeitsabstinenz über diesen Zeitraum – gerade bei sommerlichen Temperaturen – äußerst problematisch. Bereits nach wenigen Stunden droht eine gefährliche Dehydrierung, die für ältere Personen infolge der Veränderung von Blut-Parametern (Hämatokrit, Gesamtprotein, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Chlorid) lebensbedrohlich sein kann (1).

Insbesondere für Kinder ist die Dehydrierung aufgrund des im Vergleich zu Erwachsenen erhöhten Flüssigkeitsbedarfs problematisch. Aus diesem Grund hatte die Justizministerin des Landes Hessen angekündigt, gesetzlich gegen moslemische Eltern vorgehen, die ihre Kinder zum Fasten verpflichten: „Wer kleine Kinder dazu bringt, in der Zeit des Ramadans zu fasten, übt einen gesundheitsgefährdenden Einfluss auf diese Kinder aus. Durch Eltern oder Dritte erzwungenes Kinderfasten sollte deshalb gesetzlich untersagt und strafrechtlich sanktioniert werden“. Die Ministerin schlug eine Erweiterung des Paragraphen 171 des Strafgesetzbuches vor, der die Fürsorge- und Erziehungspflicht regelt.

Es gibt zahlreiche Berichte über Kinder, die (auch wenn vom Koran nicht ausdrücklich vorgeschrieben) das Fastengebot einhalten. Teilweise werden diese von ihren Eltern dazu gezwungen, teilweise durch subtilen Druck dazu angehalten („nur wer fastet, ist ein richtiger Moslem“). Die Folge davon ist, dass muslimische Kinder während der Fastenzeit in der Schule unkonzentriert sind und teilweise von den Lehrern nach Hause geschickt werden. Viele Schulen haben bereits auf diese Entwicklung reagiert, indem sie während des Fastenmonats keine Prüfungen mehr abhalten oder keine Schulfeste mehr veranstalten (2).

Das Fasten ist aber nicht nur für Kinder gefährlich, sondern auch für Erwachsene. Durch die Flüssigkeitskarenz kann – insbesondere im Sommer – auch bei Erwachsenen die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit deutlich abnehmen. Es gibt zahlreiche Berufe, die die volle Konzentrationsfähigkeit beanspruchen und bei denen bereits kleinere Fehler schwerwiegende Folgen haben können, z.B. bei Ärzten, Fluglotsen, Lokführern, Kraftfahrern (Busse, LKW, Müllfahrzeuge), Kranführern u.v.a.m.

Selbstverständlich fällt das Fasten unter die Religionsfreiheit und jeder soll selbst entscheiden können, ob er fasten möchte oder nicht. Es sollte aber auch jedem Arbeitgeber überlassen bleiben, ob er jemanden einstellen will, der seine Arbeitskraft durch religiöse Handlungen beeinträchtigt.

Grenzen findet die freie Religionsausübung aber auch dort, wo dadurch Rechte Dritter beeinträchtigt werden. Dies gilt v.a. für Kinder, wenn diese von ihren Eltern zu religiösen Handlungen angehalten oder gezwungen werden und dadurch ihre Rechte – z.B. auf körperliche Unversehrtheit – beeinträchtigt werden. Der Vorstoß der Hessischen Justizministerin ist daher ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ihr Rainer Rahn
Abgeordneter des Hessischen Landtags

(1) Schmahl F W et al: Ramadan – Gesundheitsgefährdungen während des Fastenmonats. Dtsch Ärztebl 1988; 85, 1183

(2) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-05/ramadan-hessen-justizministerin-eva-kuehne-hoermann-kinder-fasten-verbot

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