Ein „Highlight“ für Hessens Sozialminister: „Safe House“ Frankfurt für queere Asylbewerber

Guten Morgen liebe Hessen,

Nicht alle Schutzsuchenden sind Wirtschaftsflüchtlinge, die nur deshalb ihr Land verlassen, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen. Es gibt auch solche, die tatsächlich vor Verfolgung Schutz suchen. Und die deshalb verfolgt werden, weil sie eine bestimmte Ethnie oder Religion besitzen – oder eine bestimmte sexuelle Orientierung. Denn in zahlreichen islamischen Ländern ist Homosexualität ein schweres Verbrechen, das unter Strafe steht. Erst vor wenigen Tagen wurden im Iran Mehrdad K. und Farid M. deswegen öffentlich hingerichtet (1).

Und so kommen nicht wenige Schutzsuchende nach Deutschland, die wegen ihrer Homosexualität in ihrem Heimatland verfolgt werden. Aber auch dort sind sie nicht vor Verfolgung sicher. Im Gegenteil: in der Flüchtlingsunterkunft, wo sie untergebracht sind, können sie u.U. auch verfolgt werden. Denn dort wohnen viele ihrer Landsleute, die die kulturellen und religiösen Vorstellungen der Heimat nicht an der Grenze abgelegt haben und die heimatliche Verfolgung fortsetzen. Und so wagen nicht wenige, die im Herkunftsland ihre Homosexualität oder Trans-Identität aus Angst um Leben und Unversehrtheit verstecken mussten, auch im Flüchtlingslager oder in Gemeinschaftsunterkünften kein Coming Out (1). Es gibt Berichte über queere Geflüchtete, die in ihrer Flüchtlingsunterkunft von Mitbewohnern „angegriffen oder zusammengeschlagen wurden“, ebenso wurde „von Vergewaltigungen und psychischem Druck“ berichtet (2).

Um diese Situationen zu vermeiden, hatte die Stadt Frankfurt bereits vor einigen Jahren ein „Safe House“ eingerichtet, in dem „queere Geflüchtete“ – meist schwule junge Männer – untergebracht werden können. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in Hessen. Der hessische Sozialminister bezeichnete das Safe House in Frankfurt als ein „Highlight“ für queere Geflüchtete mit Vorbildfunktion für andere Bundesländer. Damit haben sowohl die Stadt Frankfurt als auch die hessische Landesregierung eingestanden, dass Deutschland kein sicherer Fluchtort ist – jedenfalls nicht in Flüchtlingsunterkünften. Denn dort werden die Geflüchteten – jedenfalls dann, wenn sie homosexuell oder Trans-Personen sind – genauso verfolgt wie in ihrem Heimatland und können nur dadurch geschützt werden, dass sie abgesondert von anderen Schutzsuchenden in separaten Einrichtungen untergebracht werden.

Schutzsuchende werden von anderen Schutzsuchenden in Flüchtlingsunterkünften aber nicht nur wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und diskriminiert, sondern auch wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihrer Religion. Bekannt sind zahlreiche Fälle von Streitigkeiten innerhalb von Unterkünften zwischen Angehörigen verschiedener Volksgruppen oder Religionsgemeinschaften bzw. Islam-Richtungen. Konsequenterweise müssten diese dann auch alle separat untergebracht werden, d.h. separate Einrichtungen für Syrer, Kurden, Iraker, Christen, Sunniten, Schiiten usw. geschaffen werden. Und auch die spätere Unterbringung in Wohnungen müssten diese Unterschiede berücksichtigen. Im Ergebnis müsste man dann völlig separate Wohngebiete für alle möglichen ethnischen und religiösen Gruppierungen schaffen – dann würde auch das „friedliche Miteinander“ funktionieren.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/homosexualitaet-im-iran-zwei-schwule-maenner-hingerichtet-79007360.bild.html

(2) https://www.focus.de/perspektiven/haus-fuer-queere-fluechtlinge-abdel-karim-versteckte-sich-jahrelang-in-frankfurt-lebt-er-nun-seine-homosexualitaet_id_39524272.html).

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