ENDLICH! „Drei Mohren Hotel“ wird umbenannt.

Guten Morgen liebe Hessen,

Als Unwort des Jahres 2020 kommt eigentlich nur eines in Betracht: der „Mohr“ – ein People of Colour, der in Deutschland über Jahrhunderte omnipräsent war, aber eigentlich von niemandem richtig beachtet wurde. Es gab – und gibt (noch) – unzählige Mohrenstraßen, Mohrenapotheken und das Mohrenbräu. Der Mohr ziert viele Wappen – u.a. das der Städte Coburg, Möhringen und Eching und der Landkreise Freising und Garmisch. Und natürlich das Wappen des Erzbischofs von München und das des vormaligen Papstes Benedikt, der den Mohren von München nach Rom transferiert hatte. Alles das hat über Jahrhunderte niemanden gestört. Niemandem war aufgefallen, wie rassistisch die Bezeichnung „Mohr“ ist und vor allem die bildliche Darstellung eines Mohren als dunkelhäutigen Menschen. Und so war es mehr als überfällig, dass Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland endlich darauf hingewiesen hat, dass diese Bezeichnung „von der Mehrzahl der Schwarzen Menschen als diskriminierend wahrgenommen“ wird (1).

Während jedoch die Bereitschaft zur Umbenennung kaum vorhanden ist, kommt Bewegung in die Angelegenheit. Das berühmte Luxushotel „Drei Mohren“ in Augsburg wird sich umbenennen: zukünftig soll es „Maximilian’s Hotel“ heißen – benannt nach Kaiser Maximilian I. Begründung des Hoteldirektors: „Wir haben entschieden, dass wir mit einem neuen Namen dem gesellschaftlichen Wandel Genüge tun“ (2).

Gemeint hat er wahrscheinlich folgendes: „Wir wollen vermeiden, dass wir jede Woche Besuch von der Antifa bekommen, die uns die Wände beschmiert und die Fensterscheiben einwirft“. Möglicherweise hat der Hoteldirektor in der Vergangenheit Anrufe und mails mit entsprechenden Drohungen erhalten und geht nun den Weg des geringsten Widerstandes. Verständlich, denn wenn das Hotel tatsächlich Ziel von Anschlägen werden sollte, würden sich nicht wenige Gäste eine andere Bleibe suchen.

Das Beispiel wird wahrscheinlich Schule machen. Zunehmende Drohungen werden die Besitzer von Mohren-Apotheken oder Mohren-Cafes zukünftig wohl mehr und mehr dazu veranlassen, auf die angestammte Bezeichnung zu verzichten. Nachdem bereits vor Jahren der Sarotti-Mohr der sprachlichen Säuberung zum Opfer gefallen ist und nunmehr auch das Drei Mohren Hotel, wird die Bezeichnung Mohr zukünftig immer mehr aus der Öffentlichkeit verschwinden. Was die Befürworter dieser Aktionen übersehen: mit sprachlichen Änderungen bleibt das Grundproblem der POC (oder wie immer sie sich zukünftig nennen werden) erhalten. POC werden in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft als fremd wahrgenommen und führen negative Erfahrungen aller Art – Nichtbestehen einer Prüfung, Absage bei einer Bewerbung um einen Job oder eine Wohnung etc. – häufig auf eine Diskriminierung zurück. Und da hilft auch das Umbenennen eines Hotels oder einer Apotheke nicht weiter.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper-ifnp.fnp.de/webreader-v3/index.html#/465093/2-3
(2) https://www.sueddeutsche.de/bayern/augsburg-rassismus-hotel-mohren-debatte-1.4990442

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