Endlich: Frankfurter Frauenreferat macht inter-, trans* und queere Personen sprachlich sichtbar

Guten Morgen liebe Hessen,

Wir befinden uns im Jahre 2020 n.Chr. Ganz Deutschland hat derzeit nur ein Thema: Corona. Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Grünen regierte Stadt kümmert sich nicht um Corona, sondern hat Wichtigeres zu tun: die „geschlechtergerechte“ Sprache. Das Frauenreferat der Stadt hat einen wegweisenden Ratgeber „Hilfreiche Tipps und gute Argumente für eine geschlechtergerechte Sprache“ herausgegeben, der sich an alle Frankfurter richtet, insbesondere aber auch an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Während die Sprache Schillers und Goethes vom Magistrat der Stadt schon längst als frauenfeindlich identifiziert wurde und daher seit 30 Jahren zunehmend durch eine gleichberechtigte Sprache ersetzt wird, ist durch die Änderung des Personenstandsgesetzes vor zwei Jahren neuer Handlungsbedarf entstanden. Nachdem das Bundesverfassungsgericht eine dritte Geschlechtsoption festgestellt hatte, können sich Personen, die sich nicht eindeutig einem biologischen oder sozialen Geschlecht zuordnen können oder wollen, als „divers“ eintragen lassen. Damit sind unerwartet neue Probleme entstanden: die übliche Anrede „sehr geehrte Damen und Herren“ oder die Formeln „Bürgerinnen und Bürger“, „Schülerinnen und Schüler“ oder „Frankfurterinnen und Frankfurter“ können zukünftig nicht mehr verwendet werden. Denn Personen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig betrachten, könnten sich nicht angesprochen und damit diskriminiert fühlen.

Damit das nicht eintritt, hat die Frauendezernentin der Stadt Frankfurt jetzt die Lösung parat: So schreibt man zukünftig „Liebe Mitarbeiter*innen; liebe Mitarbeiter:innen; liebe Mitarbeiter_innen“. Dabei sind Genderstar, Doppelpunkt und Unterstrich (= Gender_gap) sind die „aktuell modernsten Formen geschlechtergerechter Sprache“, denn sie verweisen symbolisch – als in alle Richtung strahlender Stern oder als Freiraum zwischen den Polen männlich und weiblich – auf die Vielfalt diverser Geschlechtsidentitäten. Auch intergeschlechtliche, trans* und queere Personen sollen sich hiervon angesprochen und repräsentiert fühlen. Und auch die Frage, wie Gender*stern, Gender_gap und Doppelpunkt sprachlich auch hörbar werden, verrät die Broschüre: durch „einen kurzen Stopp beim Sprechen“ wie etwa bei „The-ater“.

Eine weitere Alternative – so die Frauendezernentin – ist die „personengebundene Sachbezeichnung“. Beispiel: die „Präsidentschaft“. Ein Rückfall ins sprachliche Mittelalter! Sprachlich korrekt müsste es mindestens „Präsident*Innenschaft“ heißen. An anderer Stelle liest man folgenden Satz: „Cis zu sein bedeutet, sich mit dem biologischen Geschlecht (Sex), das von Ärzt*innen in die Geburtsurkunde eingetragen wurde, identifizieren zu können“. Offensichtlich ist den Autoren*Innen der Broschüre nicht bekannt, dass Ärzte keine Eintragungen in einer Geburtsurkunde vornehmen, sondern ausschließlich Standesbeamte.

Was aber schlimmer ist: die in der Broschüre vermittelten Sprachregelungen widersprechen auch grundlegend dem Behindertengleichstellungsgesetz, das in § 11 bestimmt, dass Träger öffentlicher Gewalt „Informationen vermehrt in Leichter Sprache bereitstellen“ sollen. Die Sprachregeln der „Leichten Sprache“ bestimmen u.a. die Verwendung kurzer Sätze und von Aktivsätzen sowie die Vermeidung von Sonderzeichen – mithin das genaue Gegenteil der „geschlechtergerechten“ Sprachregelungen. Ein unlösbarer Konflikt: wen soll man eher diskriminieren –Behinderte oder intergeschlechtliche, trans* und queere Personen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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