endlich: queerfreundlicher LOVEHansa-Flieger – fliegt leider nicht nach Katar

Guten Morgen liebe Hessen,

Früher war die Lufthansa eine der besten Fluggesellschaften der Welt. Der gute Ruf gründete sich neben der Sicherheit vor allem auf den guten Service und das freundliche Personal. Die Zeiten sind lange vorbei. Seit Jahren hört man immer wieder über unzureichenden Service, unfreundliches Personal, unbequeme Sitze und schlechtes Essen. Alles nicht sicherheitsrelevant, aber doch ärgerlich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass man mit der Konkurrenz nicht nur deutlich günstiger von A nach B fliegen kann, sondern dort auch bequemer sitzt (selbst in der Economy-Klasse), besseres Essen bekommt und meist überaus freundliches Personal antrifft. Und so bevorzugen viele Reisende inzwischen – je nach Ziel – asiatische, arabische oder australische Fluglinien. Die Lufthansa scheint sich auch nicht besonders zu bemühen, daran etwas zu ändern, sondern zehrt von ihrer Dominanz auf bestimmten Strecken und von ihren Kooperationspartnern, unter deren Flagge sie segeln.

Aber ab und zu muss dann doch ein neuer PR-Gag her, damit man im Gespräch bleibt und die Aufmerksamkeit der gelangweilten Öffentlichkeit auf sich ziehen kann. Dass ist der Airline im „Pride month“ Juni tatsächlich gelungen. Da ließ der Vorstand bei einem Airbus A 320 (Kennung D-AINY) den Schriftzug „Lufthansa“ in „LOVEHANSA“ überpinseln – und das Ganze in Regenbogenfarben. Mit dieser Bemalung wird der Flieger die nächsten 6 Monate unterwegs sein. Aber nicht nur von außen wurde die Maschine umgestaltet, sondern auch innen: die Kopfstützenschoner wurden ebenfalls in den Farben der Regenbogenflagge gestaltet. Der Erstflug startete vor wenigen Tagen unter der Flugnummer LH 841 in Frankfurt ab und landete im dänischen Billund. Der Vorstand des Unternehmens möchte damit ein deutliches Zeichen gegen Queerfeindlichkeit setzen. In einer Pressemitteilung erklärte das Unternehmen: „Lufthansa ist ein Unternehmen, das für Offenheit, Toleranz und Diversität steht“. Mit der „Lovehansa“-Sonderlackierung setze man „ein weiteres deutliches Zeichen und macht diesen wichtigen Teil der Unternehmenskultur auch prominent nach außen sichtbar“ (1).

Was der Lufthansa-Vorstand vermutlich nicht erwartet hatte: unmittelbar mit Beginn der Aktion stellte sich in den sozialen Medien ein überraschend heftiger Shitstorm ein, bei der viele „ihrer Queerfeindlichkeit freien Lauf ließen“. Hinzu kam wohl auch schlechtes Timing, da Lufthansa zeitgleich aufgrund von Personalmangel 900 Flüge streichen musste. Zudem hatte kurz zuvor der Spiegel über schwerwiegende Serviceprobleme bei der Airline berichtet: „Bunt – aber zweitklassig“ (1). Selbst treue Lufthansa-Kunden – vor allem auch Business- und First-Class-Passagiere – werden zwischenzeitlich durch den schlechten Service verprellt. Da hilft auch die schräge „Lovehansa“-Aktion nichts. Stellt sich noch die Frage, ob Lufthansa mit seinem bunten Queer-Flieger auch Länder anfliegt, die nicht unbedingt als queer-freundlich gelten oder in denen sogar Homosexualität unter Strafe steht. Antwort des Unternehmens: „Das Lovehansa-Flugzeug fliegt Ziele in ganz Europa an“ (2). Also weder Riad, Teheran oder Islamabad. Dort würde der Flieger möglicherweise von der zuständigen Religionsbehörde beschlagnahmt. So deutlich möchte sich Lufthansa aber dann doch wohl nicht zu „Offenheit, Toleranz und Diversität“ bekennen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.queer.de/detail.php?article_id=42273

(2) https://www.rtl.de/cms/lufthansa-wirbel-um-lovehansa-aktion-bei-facebook-4986290.html

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