ENDLICH! U-Bahn-Station Mohrenstraße wird umbenannt

Guten Morgen liebe Hessen,

Endlich ist es soweit: der Schandfleck, den jeden Berliner und jeden Berlin-Besucher empört, wird entfernt: die U-Bahn-Station Mohrenstraße. Natürlich nicht die Station – die bleibt erhalten – aber eben nicht unter der seit Jahrzehnten bestehenden rassistischen Bezeichnung, sondern zukünftig als U-Bahn-Station Glinkastraße, benannt nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804 bis 1857) (1). Ob das die Lösung ist, darf bezweifelt werden. Immerhin war Glinka ein weißer Mann, manche behaupten sogar, er sei Antisemit gewesen. Da ist absehbar, dass sich nach der Umbenennung wieder massiver Protest regen wird. Der Ersatz – besser die Verdrängung – des „Mohren“ durch einen weißen Mann ist mehr als fragwürdig. Denn er löst das Grundproblem rassistischer Bezeichnungen nicht. Denn der schwarze Mann – bzw. die schwarze Frau – sollen dargestellt und sichtbar werden, aber eben nicht klischeehaft oder gar negativ. Und in keinem Fall mit schwarzer Gesichtsfarbe, dicken Lippen oder krausen Haaren. Und natürlich auch nicht unter der Bezeichnung „Mohr“ oder gar „N****“.

Einige Aktivisten bevorzugten die Umbenennung der Station in „George-Floyd-Station“ im Gedenken an den in Minneapolis getöteten Afroamerikaner (2). Ob das besser ist, bleibt abzuwarten. Zwar werden sich die meisten der U-Bahn-Passagiere nicht mit dem Namensgeber der Station beschäftigen – einige aber vielleicht doch. Und die wollen wissen: wer ist bzw. war George Floyd eigentlich. Und dann lesen sie in Wikipedia (oder woanders): George Floyd wurde am 14.10.1973 in Fayetteville im Bundesstaat North Carolina geboren und wuchs bei seiner Mutter auf. Nach seiner Highschoolzeit erhielt er ein Basketballstipendium, brach das Studium aber 1997 ab. Zwischen 1997 und 2007 wurde er im Gerichtsbezirk Harris County neun Mal wegen Straftaten verurteilt, u.a. wegen Drogendelikten, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Weigerung der Identifizierung gegenüber einem Polizeibeamten sowie Raub mit einer tödlichen Waffe. Nach mehreren Gefängnisaufenthalten wurde er wegen eines bewaffneten Raubes an einer schwangeren Frau zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt (3).

Der eine oder andere wird sich dann vielleicht denken: es ist ja gut, eine U-Bahn-Station auch mal nach einem Schwarzen zu benennen – aber warum gerade George Floyd? Alle weißen Männer, nach denen eine Berliner U-Bahn-Station benannt wurden, haben auf ihrem jeweiligen Gebiet große Leistungen vollbracht: Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Jakob Kaiser, Ernst Reuter, Richard Wagner, Heinrich Heine. Und keiner war kriminell oder wurde gar wegen eines Verbrechens verurteilt. George Floyd aber schon. Und da entsteht dann zwangsläufig die Assoziation: schwarz und kriminell – also genau das, was die Antirassisten vermeiden wollen.

Vielleicht sollte man einfach die Straße und die U-Bahn-Station in „Möhrenstraße“ umbenennen. Da müsste der Maler nur auf allen Schildern zwei Punkte anbringen und niemand fühlt sich rassistisch beleidigt.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-07/mohrenstrasse-berlin-umbenennung-glinkastrasse-u-bahnstation-bvg
(2) https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/nach-rassismus-kritik-berliner-u-bahnhof-mohrenstrasse-wird-umbenannt-71677422.bild.html
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Todesfall_George_Floyd#Das_Opfer

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