„Equal Pay Day“: Ideologischer Statistik-Nonsens

Guten Morgen liebe Hessen,

Jedes Jahr im März findet der „equal pay day“ statt – ein Datum, das immer wieder von vielen Frauenaktivistinnen laut beklagt wird. Dieser Tag markiert die „Einkommenslücke“ zwischen Männern und Frauen. Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Der „equal pay day“ markiert dabei den Tag, bis zu dem Frauen fiktiv ohne Bezahlung arbeiten. Das ist erkennbarer Unsinn, wird aber in jedem Jahr mit schöner Regelmäßigkeit thematisiert. Tatsächlich gibt es diese Einkommenslücke, hat aber – entgegen den Behauptungen der Aktivistinnen – nichts mit Benachteiligung oder Diskriminierung der Frauen zu tun.

Denn Frauen sind in Berufsgruppen mit geringer Bezahlung stark überrepräsentiert. Bei den Berufsgruppen mit den höchsten Einkommen dominieren Männer – ausgenommen bei den Ärzten. So waren 85 Prozent aller Beschäftigten im Lebensmittelhandel, 95 Prozent aller Floristikbeschäftigten und 86 Prozent der Angestellten in Körperpflegeberufen Frauen (1). Bundesfrauenministerin Anne Spiegel (Grüne) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordern „mehr Engagement für Lohngerechtigkeit“ zwischen Männern und Frauen: „Unser Ziel ist klar: Frauen und Männer sollen bei gleicher Arbeit den gleichen Lohn erhalten“. Die Ministerin beklagt, dass „in klassischen Frauenberufen“ deutlich weniger verdient wird als in solchen mit traditionell vielen Männern (2). Die Verdi-Vorsitzende fordert eine Gleichstellung der sozialen Berufe mit männerdominierten Berufen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Sozialarbeiterinnen weniger verdienen als Ingenieure (3). Der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist in den meisten Entgeltsystemen zwar weitestgehend abgesichert, bei den „gleichwertigen Tätigkeiten“ ist dies nicht unbedingt der Fall. Als gleichwertig gelten Tätigkeiten, die nach den folgenden Kriterien vergleichbar sind: „1. Wissen und Können, 2. psycho-soziale Kompetenzen, 3. Verantwortung und 4. physische Anforderungen“ (4).

Was dabei immer übersehen wird: die Bezahlung einer Arbeit richtet sich nicht ausschließlich nach den angegebenen Kriterien. In der Aufzählung fehlt ein wesentliches Kriterium: die Verfügbarkeit bzw. das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Letzteres bestimmt ganz entscheidend den Wert einer Arbeit bzw. den Preis, der dafür gezahlt wird. Werden z.B. in einem Bereich hochspezialisierte Fachkräfte gesucht, die es aber nur selten gibt, konkurrieren viele Unternehmen um wenige Spezialisten. Die Folge ist, dass die Unternehmen bereit sind, mehr für den Mitarbeiter zu zahlen als es seiner Qualifikation und Kompetenz entsprechen würde. Denn die gesuchten Fachkräfte können sich angesichts der Marktsituation ihren Arbeitgeber auswählen und entscheiden sich in der Regel für denjenigen, der am meisten bezahlt. Das ist einfachste Regel der Marktwirtschaft und lässt sich in einem freien Land nicht außer Kraft setzen.

Fazit: Ursache der Einkommenslücke ist – neben unterschiedlichen Arbeitszeiten – die Tatsache, dass Frauen meist (und freiwillig!!!!!) Berufe ergreifen, in denen bereits viele andere Frauen tätig sind, so dass für die Unternehmen kein Mangel an Fachkräften besteht. Männer suchen sich dagegen häufiger Mangelberufe aus, die weniger beliebt sind, z.B. weil es sich um anstrengende, unbequeme oder gefährliche Tätigkeiten handelt. Und weil es da nur wenige Fachkräfte gibt, werden die besser bezahlt. Auch Frauen könnten – wenn sie wollten – Dachdecker, Maurer oder Kanalarbeiter werden. Wenn sie das tun, fällt irgendwann der „equal pay day“ auf den 1. Januar.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/473171/14-15

(2) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/473154/1-

(3) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/468820/19

(4) https://www.hessen.de/presse/entgeltsysteme-auf-dem-pruefstein-der-geschlechtergerechtigkeit

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