Erfolg für antirassischtische Wortsäuberer: Stuttgarter Stadtbezirk Möhringen sucht neues Stadtteil-Wappen

Guten Morgen liebe Hessen,

Nachdem Berlin Hauptstadt der Diversität und des Antirassismus ist, möchte Stuttgart nicht abseitsstehen. Und so sucht der Stuttgarter Stadtbezirk Möhringen ein neues Wappen. Das bisherige Wappen zeigt u.a. auch den Kopf einer schwarzen Frau, die in typischer Weise mit krausem Haar, markanten Lippen und großen Ohrringen dargestellt wird. Der Bezirk hat daher die Bevölkerung aufgerufen, an der Neugestaltung eines rassismusfreien Wappens mitzuwirken (1). Damit geht der Stuttgarter Bezirk mit gutem Beispiel voran. Denn der Rassismus ist in Deutschland immer noch allgegenwärtig.

Zwar wurde im vergangenen Jahr die U-Bahn-Station Mohrenstraße in Berlin umbenannt. Aber das wars dann auch schon. In vielen Gaststätten steht immer noch das Zigeunerschnitzel auf der Speisekarte, im Getränkemarkt bekommt man das Mohren-Bräu und das früher als Mohrenkopf bezeichnete Gebäck heißt heute zwar anders, ist aber immer noch schwarz. Und selbstverständlich ist in der U-Bahn das Schwarzfahren nach wie vor verboten. In vielen Städten gibt es immer noch die Mohren-Apotheke und das rassistische Logo des Dachdeckers Thomas Neger ist in Mainz und Umgebung immer noch an den Baugerüsten zu sehen. Noch schlimmer ist es in der beschaulichen bayerischen Provinzstadt Coburg, deren Wappen seit Jahrhunderten ein „schwarzer Mohrenkopf mit goldenem Ohrring“ ziert. Dieses Wappen ist im Stadtbild allgegenwärtig: an Kirchen, Häuserwänden und auf Gullideckeln.

Immerhin hat sich das berühmte Augsburger Hotel „Drei Mohren“ umbenannt und heißt inzwischen „Maximilian’s Hotel“ – benannt nach Kaiser Maximilian I. Begründung des Hoteldirektors: „Wir haben entschieden, dass wir mit einem neuen Namen dem gesellschaftlichen Wandel Genüge tun“ (2). Gemeint hat er wahrscheinlich folgendes: „Wir wollen vermeiden, dass wir jede Woche Besuch von der Antifa bekommen, die uns die Wände beschmiert und die Fensterscheiben einwirft“. Möglicherweise hat der Hoteldirektor in der Vergangenheit Anrufe und Mails mit entsprechenden Drohungen erhalten und geht nun den Weg des geringsten Widerstandes. Verständlich, denn wenn das Hotel tatsächlich Ziel von Anschlägen werden sollte, würden sich nicht wenige Gäste eine andere Bleibe suchen.

Das Beispiel wird wahrscheinlich Schule machen. Zunehmende Drohungen werden die Besitzer von Mohren-Apotheken oder Mohren-Cafes zukünftig wohl mehr und mehr dazu veranlassen, auf die angestammte Bezeichnung zu verzichten. Nachdem bereits vor Jahren der Sarotti-Mohr der sprachlichen Säuberung zum Opfer gefallen ist und nunmehr auch das Drei Mohren Hotel, wird die Bezeichnung Mohr zukünftig immer mehr aus der Öffentlichkeit verschwinden. Was die Befürworter dieser Aktionen übersehen: mit sprachlichen Änderungen bleibt das Grundproblem der POC (oder wie immer sie sich zukünftig nennen werden) erhalten. POC werden in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft als fremd wahrgenommen und führen negative Erfahrungen aller Art – Nichtbestehen einer Prüfung, Absage bei einer Bewerbung um einen Job oder eine Wohnung etc. – häufig auf eine Diskriminierung zurück. Und da hilft auch das Umbenennen eines Hotels oder einer Apotheke nicht weiter.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/wegen-mohrendarstellung-stuttgarter-stadtbezirk-sucht-neues-wappen/

(2) https://www.sueddeutsche.de/bayern/augsburg-rassismus-hotel-mohren-debatte-1.4990442

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren