Ermittlung nach Spielabbruch ergab: doch kein Rassismus

Guten Morgen liebe Hessen,

Es war eigentlich ein ganz normales Drittligaspiel, das am 19. Dezember 2021 weitgehend ereignislos vor sich hindümpelte. Der VfL Osnabrück war gegen den MSV Duisburg angetreten, als in der 33. Spielminute der VfL-Spieler Aaron Opoku einen Eckball ausführen wollte. Von der Tribüne schallten dem dunkelhäutigen Spieler „Affenlaute“ entgegen. Der Unparteiische schickte daraufhin alle Spieler in die Kabine und brach das Spiel nach Rücksprache mit den Linienrichtern ab. In seinem Spielbericht vermerkte er „Schmähungen durch Affenlaute“ gegen den 22-jährigen Spieler, der nach dem Vorfall „schockiert und kaum ansprechbar gewesen“ war. Der mutmaßliche Täter wurde aus dem Stadion gebracht. Nach Zeugenaussagen soll er „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“ gerufen haben, behauptet aber, nicht Opoku gemeint zu haben, sondern einen anderen Spieler. Die Ermittlungen wurden vom Staatsschutz der Polizei Duisburg übernommen. Beleidigungen von Spielern oder dem Schiedsrichter durch Zuschauer sind nichts Ungewöhnliches und dürften bei fast jedem Spiel vorkommen. Im vorliegenden Fall führte eine Beleidigung aber erstmals in der Fußballgeschichte Deutschlands zum Abbruch eines Spiels. Denn hier ging es nicht einfach um eine – mögliche – Beleidigung, sondern um eine rassistische Attacke gegen einen dunkelhäutigen Spieler. Dementsprechend war auch die Reaktion, obwohl es sich nur um ein unbedeutendes Drittliga-Spiel handelte. Überall im Netz waren Solidaritätsbekundungen für den beleidigten Spieler zu lesen wie „Aaron, wir stehen hinter Dir!“, „Rassismus ist scheiße. Überall!“, „Kein Platz für Rassismus!“ oder „Klare Kante gegen Rassismus!“. Und natürlich meldete sich auch die Politik in Person des niedersächsischen Innenministers zu Wort, der die antirassistischen Kommentare als „großartige und solidarische Reaktion der Zuschauer und der beiden Mannschaften“ wertete und seine Hoffnung äußerte, den Täter treffe „die volle Härte der Justiz“ (1). Der DFB-Botschafter und frühere Nationalspieler Jimmy Hartwig bezeichnete den Abbruch des Spiels als „ganz wichtiges Zeichen“ im Kampf gegen Rassismus (2).

Wie wichtig, zeigte sich wenige Wochen später. Da teilte die zuständige Polizei mit, dass ein Rassismus-Verdacht im Zusammenhang mit dem abgebrochenen Spiel nicht mehr besteht: „Die Ermittlungen haben den Verdacht der Affenlaute nach Einschätzung der Polizei nicht bestätigt“. Die Auswertung der Videoaufnahmen habe ergeben, dass der beschuldigte Zuschauer tatsächlich den Satz „Du Affe kannst auch keine Ecke schießen“ gerufen hatte, damit aber nicht Opoku, sondern einen anderen Spieler – nämlich Florian Kleinhansl – gemeint hatte. Der Präsident des MSV Duisburg zeigte sich angesichts dieses Ergebnisses erleichtert, da „mit diesen vorläufigen Ergebnissen unsere Werte, unser Leitbild und unsere weltoffene Stadt nicht nachhaltig beschädigt wurden“ (3).

Ganz offensichtlich stellt der Begriff „Affe“ oder das Imitieren von – vermeintlichen – Affenlauten nur dann eine (rassistische) Beleidigung dar, wenn sich die Aktion gegen einen dunkelhäutigen Spieler richtet. Der hellhäutige Spieler Kleinhansl darf dagegen problemlos als „Affe“ tituliert werden, ohne dass damit das Leitbild der weltoffenen Stadt nachhaltig beschädigt wird. Gut, dass beim Fußball die Regeln so einfach sind.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.ndr.de/sport/fussball/VfL-Osnabrueck-Spiel-beim-MSV-Duisburg-nach-Rassismus-Eklat-abgebrochen,osnabrueck6830.html

(2) https://www.tagesschau.de/inland/rassistische-beschimpfung-duisburg-osnabrueck-101.html

(3) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2022/rassismus-verdacht-bei-fussballspiel-ausgeraeumt/

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