Erste schwarze Bundestagsabgeordnete fordert: Bundestag soll diverser und bunter werden

Guten Morgen liebe Hessen,

Immer wenn ein Bundestag neu gewählt wurde, stürzen sich Journalisten auf die neuen Gesichter. Aber nicht auf alle, sondern sie suchen sich diejenigen aus, die irgendetwas Besonderes haben. Zum Beispiel der Jüngste oder der erste Olympiasieger im Parlament. Für die antirassistische ZEIT musste es die erste schwarze Frau sein, die in den Bundestag einzog – Awet Tesfaiesus (Grüne). Sie war als Kind aus Eritrea nach Deutschland „geflohen“ und arbeitet heute als Rechtsanwältin – Arbeitsgebiet: Ausländer- und Asylrecht (1).

Sie freut sich, dass der Bundestag „ein bisschen diverser“ wird – aber für die Abgeordnete nicht genug. Denn „unsere Politik, Medien und Behörden spiegeln das nicht wider. Das beschränkt sich nicht allein auf den Bundestag und nicht allein auf schwarze Menschen, sondern bezieht sich auf BIPoC insgesamt, Menschen mit Behinderung, queere Menschen, Frauen“. Die Abgeordnete ist unzufrieden: „Wenn mich Menschen auf der Straße sehen, sehen sie eine Ausländerin. Damit bin ich vor rassistischen Anschlägen nicht sicher“ (1). Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Person mit dunkler Hautfarbe in einer Gesellschaft von mehrheitlich Weißen auffällt. Umgekehrt ist das übrigens genauso: in Afrika fallen Weiße auf, da die Mehrheit dunkelhäutig ist. Aber im Gegensatz zu Deutschland gibt es wahrscheinlich kaum ein afrikanisches Land, in dem ein weißer Zuwanderer Mitglied eines Parlaments werden kann. Und vor Anschlägen durch Zuwanderer wäre sie als weiße Frau vermutlich mehr gefährdet.

Lange habe sie sich „nicht als Deutsche gefühlt“, sagt Awet Tesfaiesus, denn in ihrer Kindheit habe es im öffentlichen Leben niemanden gegeben, „mit denen ich mich so ganz identifizieren konnte“. Sie sei „nachts immer aufgeblieben, um die Sendung Yo! MTV Raps auf MTV zu gucken – weil dort schwarze Menschen aufgetreten sind“ (1). Mit weißen Deutschen konnte sie sich also offensichtlich nicht identifizieren – nicht einmal mit weißen Frauen. Als Vorbilder kamen für sie nur schwarze Frauen infrage. Da stellt sich natürlich die Frage, warum sie sich als neue Heimat ausgerechnet ein Land ausgesucht hat, in dem es fast nur Weiße gibt und in dem der Rassismus zuhause ist.

Denn – so die Abgeordnete – in Deutschland haben „Kinder mit Migrationshintergrund wesentlich schlechtere Chancen, aufs Gymnasium zu gehen“ (1). Warum das so ist, verschweigt sie natürlich. Denn dass Kinder mit Migrationshintergrund – genauer Kinder aus bestimmten Ländern – schlechtere schulische Leistungen zeigen, liegt nicht etwa an den Schulen, den Lehrern oder am Staat, sondern an den Eltern. Wenn diese bildungsfern sind und ihren Kindern die Grundwerte der Bildung nicht vermitteln oder sie nur religiöse Schriften auswendig lernen lassen, scheitern diese häufig im Bildungssystem. Und so gibt es auch Kinder mit Migrationshintergrund, die im deutschen Bildungssystem nicht scheitern, sondern im Gegenteil regelmäßig bessere Leistungen aufweisen als Bio-Deutsche. Deren Herkunftsland liegt aber meist in Südostasien, z.B. Vietnam.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/zett/politik/2021-10/awet-tesfaiesus-bundestagswahl-gruenen-erste-schwarze-abgeordnete-interview

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