EX-BUNDESPRÄSIDENT CHRISTIAN WULFF: Vielfalt statt Einfalt

Guten Morgen liebe Hessen,‘

Lange hat man von Christian Wulff (wer es nicht weiß: er war mal für ein paar Monate Bundespräsident) nichts mehr gehört. Eigentlich schade, denn er ist ein Mann der klaren und großen Worte. Wer ihn noch live erlebt hat (d.h. während seiner Amtszeit nicht gerade im Urlaub war), hat noch seinen Klassiker im Ohr: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Wie wahr: der Islam ist allgegenwärtig und für jeden sichtbar in Deutschland angekommen. Jetzt hat sich Wulff wieder zu Wort gemeldet. Es beklagt das Rassismusproblem in Deutschland (1).‘

Der neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, „dass sich Deutschland ehrlich machen und einsehen muss, welche gravierenden Defizite weiterhin bestehen und wie Menschen in unserer Gesellschaft immer noch ausgegrenzt werden“. Es müsse ein „schonungsloser und offener Diskurs in der Gesellschaft um Ausgrenzung und Diskriminierung stattfinden“, fordert er. Denn jeder müsse „sich immer wieder verdeutlichen, „dass es nicht nur normal, sondern ein echter Gewinn ist, dass in unserem Land Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Orientierung gut auf dem Boden unseres Grundgesetzes zusammenleben“. Denn diese Vielfalt sei ein Gewinn und nicht etwa ein Problem. Bereits vor einem Jahr hatte Wulff den massenhaften Zuzug von Asylbewerbern nach Deutschland als „Glücksfall der deutschen Geschichte“ bezeichnet (1).

Die Äußerungen von Bundespräsidenten (auch den ehemaligen) werden meist nicht hinterfragt oder kritisiert. Früher bestand dazu auch kein Anlass. Denn Bundespräsidenten äußern sich nicht unbedacht, sondern wägen ihre Worte sorgfältig ab. Interviews und Reden werden meist mit mehreren Mitarbeitern intensiv erörtert, damit keine Missverständnisse entstehen. So war es jedenfalls bisher. Bei Wulff ist das anders. Bei ihm besteht schon Anlass, genauer und vor allem kritisch nachzufragen. Und so kann man sich schon fragen, warum der massenhafte Zuzug von Personen, die ganz überwiegend keine Schul- und Berufsausbildung besitzen (und dafür inzwischen auch zu alt sind) ein „Glücksfall für die deutsche Geschichte“ sein soll. Noch dazu, wenn es sich um Personen handelt, die in einer völlig anderen Kultur sozialisiert wurden – einer Kultur, in der die Unterdrückung von Frauen normal ist und in der die Beleidigung des Propheten mit öffentlicher Enthauptung geahndet wird.‘

Und man fragt sich, warum es ein Gewinn sein soll, wenn Personen möglichst unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Religion, Sprache und Orientierung auf engem Raum zusammenleben sollen („Vielfalt“) – in einer Situation also, in der alleine aufgrund dieser Vielfalt Streit und Missverständnisse vorprogrammiert sind. Und man fragt sich, ob es nicht besser – und auch natürlicher ist – wenn in einer Gesellschaft nach Möglichkeit Menschen zusammenleben, die über das Zusammenleben und dessen Regeln alle etwa dieselben Vorstellungen haben. Damit das Zusammenleben nicht täglich neu ausgehandelt werden muss – wie die vormalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung forderte.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/ex-bundespraesident-wulff-beklagt-rassismusproblem-in-deutschland/

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