Ex-Nationaltorwart Lehmann im Abseits: „Quotenschwarzer“ löst Wortpolizei-Einsatz aus

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich berichtete die BILD-Zeitung über eine Beziehungstat im französischen Mérignac nahe Bordeaux: „Mann schießt Frau nieder, zündet sie an – tot!“. Der Mann „verfolgte die Frau zunächst auf der Straße und schoss mit einem Gewehr auf ihre Beine, woraufhin sie stürzte. Anschließend übergoss er sie mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an“. Der Tod der Frau habe „große Aufregung“ in der Gemeinde ausgelöst (1). Es ist ungewöhnlich, dass BILD eine derartige Tat nüchtern und ohne weitere Bewertung („brutal, unfassbar, abscheulich“) beschreibt. Auch Angaben über den Täter fehlen – außer dass er männlich und 44 Jahre alt ist.

Verständlich, denn harte Worte sind für die tatsächlich schwerwiegenden Taten vorbehalten, wie z.B. die „unfassbarer WhatsApp-Nachricht“ des ehemaligen Nationaltorwarts Jens Lehmann. Was war passiert? Der Fußballer hatte einen dunkelhäutigen Kollegen als „Quotenschwarzen“ bezeichnet (2). Nicht etwa als „Quotenneger“, sondern als „Quotenschwarzen“. Lehmann hatte daraufhin sofort seinen Posten als Aufsichtsrat bei Hertha BSC verloren, verlor seine Laureus-Botschafter-Rolle und wurde von TV-Sendern ausgeladen. Außerdem erteilte ihm sein Heimatverein Heisinger SV Hausverbot. Der Präsident von Hertha BSC begrüßte die Entscheidung seines Vereins: „Solche Einlassungen entsprechen in keiner Weise den Werten, für die Hertha BSC steht und sich aktiv einsetzt. Hertha BSC distanziert sich von jeglicher Form von Rassismus“. Der Vorsitzende des Heisinger SV erklärte: „Der von uns allen so geliebte Fußball ist nach meiner Erfahrung anfällig für einige Grundübel der Zivilisation. Dazu gehören insbesondere Rassismus und Homophobie. Wir müssen aufpassen, wir müssen wachsam sein, wir dürfen das niemals tolerieren, wir müssen einschreiten, wir müssen Courage zeigen“. Und die Pay-TV-Sender Sky und Sport 1 gaben bekannt, Lehmann künftig nicht mehr einzuladen (2).

Dabei ist die Bezeichnung „Quotenschwarzer“ weder eine Beleidigung noch rassistisch. Denn Quotenpersonen gibt es tatsächlich in vielen Bereichen (Quotenfrauen, Quotenbehinderte) und „Schwarzer“ ist die rein deskriptive Bezeichnung für eine Person mit dunkler Hautfarbe. Und so mag es durchaus „Quotenschwarze“ geben, die z.B. im Fernsehen in Krimis oder Talkshows auftreten, weil die Verantwortlichen glauben, ihren Antirassismus unter Beweis stellen zu müssen. Dagegen gibt es im Fußball kaum „Quotenschwarze“. Dunkelhäutige sind in der Bundesliga weit überrepräsentiert. Aber nicht etwa deshalb, weil jeder Verein möglichst rassismusfrei dastehen will, sondern einfach deshalb, weil Dunkelhäutige meist die besseren Spieler sind.

Aber alleine die Verwendung der Bezeichnung „Quotenschwarzer“ – die unter keinem Aspekt justitiabel wäre – löst eine Lawine der Empörung und die gesellschaftliche Hinrichtung des „Täters“ aus, während schwerste Verbrechen verharmlosend dargestellt werden. Das zeigt sich gerade im Fußball immer wieder. So beklagte der Freiburger Fußballfunktionär Christian Streich vor einigen Jahren, dass der „Bub, der was ganz Schlimmes gemacht hat, aus Afghanistan“ kommt und daher jetzt alle Afghanen unter Generalverdacht geraten (4). Zur Erinnerung: der „Bub“ aus Afghanistan war kein 15-jähriger Ladendieb oder Automatenknacker, sondern ein 25- bis 30-jähriger Erwachsener, der bereits wegen eines Mordversuchs zu 10 Jahren Haft verurteilt worden war und dann nach seiner vorzeitigen Entlassung in Freiburg eine Studentin ermordete. Nach Auffassung einiger eine Bagatelle gegen die Verwendung des Wortes „Quotenschwarzer“.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/news/ausland/news-ausland/frankreich-mann-schiesst-frau-nahe-bordeaux-nieder-und-zuendet-sie-an-76295014.bild.html
(2) https://www.focus.de/sport/fussball/jens-lehmann-du-warst-schon-damals-ein-vollidiot-ex-kollege-ueber-lehmanns-rassismus-eklat_id_13263361.html
(3) https://www.bild.de/sport/fussball/fussball/jens-lehmann-heimatklub-heisinger-sv-erteilt-ihm-hausverbot-76300732.bild.html
(4) https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/article160138769/Streichs-Brandrede-gegen-Rassismus-Hass-und-AfD.html

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