Experten fordern Migrantenquote bei Ämtern, Vorständen, Parlamenten etc. – aber nicht bei Katastrophenhelfern

Guten Morgen liebe Hessen,

In der Woche vom 12. Juli 2021 gab es in verschiedenen Regionen Deutschlands Starkregenfälle, die Schäden von bisher nicht gekanntem Ausmaß verursacht haben. Betroffen sind vor allem Landkreise in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 150 Todesfälle waren zu beklagen, an Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen traten massive Schäden auf, ganze Gebäude wurden vollständig zerstört. Während Regierung und Behörden bei der Warnung und rechtzeitigen Evakuierung der Bevölkerung völlig versagten, waren zumindest die Hilfsorganisationen, die zur Rettung von Menschen und Begrenzung und Beseitigung von Schäden eingesetzt waren, gut organisiert. Dabei kamen zahlreiche Hilfsorganisationen – auch aus benachbarten Bundesländern – zum Einsatz, z.B. freiwillige Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz und Bundeswehr.

Die Medien berichten ausführlich über die verschiedenen Aktionen des Katastrophenschutzes. Dabei wurden zahlreiche Bilder und Videos über die verschiedenen Einsätze gezeigt. Bei fast allen dieser Berichte entstand der Eindruck, dass an den Einsätzen ganz überwiegend „weiße“ Männer unterschiedlichen Alters beteiligt waren, während Frauen dort nur vereinzelt zu erkennen waren und kaum Personen mit erkennbarem Migrationshintergrund oder gar „people of colour“. Tatsächlich beschäftigt das Technische Hilfswerk eigenen Angaben etwa 80.000 ehrenamtliche Helfer, davon sind 12.000 Frauen (15 %). Bei den freiwilligen Feuerwehren liegt der Frauenanteil bei knapp 10 % (1). Über die Anzahl von Personen mit Migrationshintergrund wird in den einzelnen Organisationen keine Statistik geführt, aber der Anteil dürfte deutlich niedriger liegen als es dem Bevölkerungsanteil entspricht.

Dies ist erstaunlich, da viele Parteien und zahllose Organisationen immer wieder den geringen Frauen- und Migrantenanteil in verschiedenen Bereichen beklagen – v.a. in den Parlamenten, in Ämtern und Behörden, Redaktionen oder Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Dagegen scheint es niemanden zu stören, dass dieser Anteil in Hilfsorganisationen deutlich geringer ist als es dem Bevölkerungsanteil entspricht. Und niemand hat bislang eine Frauenquote in diesen Organisationen gefordert. Da es in den genannten Organisationen kaum eine strukturelle oder rassistische Diskriminierung oder die bekannte „gläserne Decke“ gibt, muss die Ursache für diese Ungleichverteilung woanders zu suchen sein. Vielleicht liegt es einfach am mangelnden Interesse von Frauen oder Migranten, sich in Hilfsorganisationen ehrenamtlich zu engagieren. Dabei wären z.B. freiwillige Feuerwehren für Migranten der ideale Ort, um sich in die Gesellschaft aktiv zu integrieren und zu dokumentieren, dass man sich aktiv einbringen möchte. Daran scheint aber niemand ein Interesse zu haben – insbesondere auch nicht die Parteien, die ansonsten immer Integrationsanstrengungen verlangen. Jedenfalls vertritt keine Partei in ihrem Programm explizit die Forderung, den Frauen- und Migrantenanteil in Hilfsorganisationen zu erhöhen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.feuerwehrverband.de/presse/statistik/

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