Falsches Anspruchsdenken der Drittländer, denn Medikamente sind genauso kein Allgemeingut, wie Bodenschätze und andere Ressourcen

Guten Morgen liebe Hessen,

Derzeit nehmen die Infektionszahlen in Deutschland und anderen EU-Ländern deutlich zu. Experten fordern daher, mehr Personen zu impfen; teilweise wird eine Impfpflicht gefordert bzw. beschlossen – wie z.B. in Österreich. Als unabdingbar wird auch die Booster-Impfung bei allen Personen angesehen, deren vollständige Impfung mehr als ein halbes Jahr zurückliegt. Die letztgenannte Maßnahme lehnt der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Tedros Adhanom Ghebreyesus – vehement ab. Begründung: Auffrischungen machen nach seiner Meinung keinen Sinn, solange Gesundheitspersonal und besonders gefährdete Menschen in ärmeren Ländern noch auf ihre erste Impfdosis warteten: „Und trotzdem horten Länder mit den höchsten Impfraten mehr Covid-19-Impfdosen, während Länder mit niedrigen Einkommen weiter warten“ (1).

Bei der WHO handelt es sich um eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, deren Aufgabe die Koordination des internationalen öffentlichen Gesundheitswesens ist mit dem besonderen Schwerpunkt Infektionskrankheiten. Tedros Adhanom Ghebreyesus stammt aus Eritrea und war vor seiner Wahl zum WHO-Generaldirektor Minister in Äthiopien. Bis 1992 studierte er an der University of London, wo er den Master of Science (MSc) in Immunology of Infectious Diseases (Immunologie von Infektionskrankheiten) erwarb. 2000 promovierte er an der University of Nottingham im Fach Community Health (2).

Hier zeigt sich wieder einmal der Konflikt zwischen Industrie- und Drittweltländern und insbesondere das Anspruchsdenken, das in bestimmten Ländern vorherrscht. Denn offensichtlich wird der – limitierte – Impfstoff von einigen, die zu dessen Entwicklung und Produktion nichts beigetragen haben, als Allgemeingut angesehen, auf das jeder denselben Anspruch besitzt. Dieser Anspruch besteht aber nicht einmal auf Naturschätze wie Erdöl, Gold oder Diamanten. Eigentümer ist derjenige, auf dessen Grund sich die Bodenschätze befinden. Kein afrikanischer Staat käme auf den Gedanken, die eigenen Naturschätze zum Allgemeingut zu erklären, an dem jeder Ansprüche anmelden kann. Selbstverständlich betrachten die Staaten diese als ihr Eigentum und verkaufen sie gewinnbringend. Nur die Entwickler und Hersteller von Impfstoffen oder Medikamenten, die viel Geld und Manpower investiert haben, sollen ihre Produkte allen frei zur Verfügung stellen.

Selbstverständlich sollen Medikamente und Impfstoffe allen zur Verfügung stehen – jedoch weder kostenlos noch im Wege eines Anspruchs. Und bei der Verteilung ist selbstverständlich zu berücksichtigen, wer etwas zur Entwicklung und deren Finanzierung beigetragen hat und wer nicht. Insofern ist es nachvollziehbar, wenn diejenigen Länder, die viel Energie und Geld in ein Medikament investiert haben, für ihre Bevölkerung vorrangig Ansprüche anmelden. Unabhängig hiervon: auch die vielfach geforderte Aufhebung des Patentschutzes würde vielen Ländern nichts nutzen. Sie hätten damit zwar die theoretische Möglichkeit, selbst Impfstoffe herzustellen, aber weder die erforderlichen Anlagen noch das Personal dazu.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.morgenpost.de/politik/ausland/article233829093/WHO-Chef-nennt-Auffrischimpfungen-fuer-Gesunde-einen-Skandal.html

(2) Curriculum Vitae: Dr Tedros Adhanom Ghebreyesus: Candidate for Director-General of the World Health Organization Endorsed by the African Union. (pdf, 527 kB) In: who.int. 11. Oktober 2016

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