Fassungslosigkeit bei Bedford-Strohm: Kirchenaustritte nehmen dramatisch zu!

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich berichteten die Medien, dass die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr über 430.000 Mitglieder durch Austritte verloren haben. Besonders alarmierend für die Kirchenoberen dabei ist, dass die Zahl im Vergleich zu 2017 um fast 25 Prozent angestiegen ist. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beklagt diese Entwicklung: „Die Menschen entscheiden heute aus Freiheit, welchen Gemeinschaften sie angehören wollen“. Die Folge sei, dass Mitglieder aus der Kirche austreten (1, 2).

Im Klartext: ihm wäre es natürlich lieber, wenn die Menschen nicht einfach so aus der Kirche austreten könnten. Dabei schwebt ihm wahrscheinlich nicht die islamische Lösung vor, die die Abkehr von der Religion mit dem Tod bestraft. Aber eine gesetzliche Regelung nach der Devise „einmal evangelisch – immer evangelisch“ oder „Der Austritt aus der Kirche ist zu Lebzeiten ausgeschlossen“ wäre ihm schon recht. Schließlich kann auch niemand aus der Gemeinschaft der Einkommensteuerzahler austreten. Da bezahlt man auch, solange man lebt.

Aber der nüchterne und unvoreingenommene Betrachter wundert sich nicht darüber, warum fast eine halbe Million Menschen aus den Kirchen ausgetreten ist, sondern darüber, warum es nicht viel mehr sind. Denn Gründe für einen Austritt gibt es genug. Da gibt es zum einen die beispiellose Heuchelei der beiden Kirchenoberen Bedford-Strohm und Marx, die zahllosen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und deren systematische Vertuschung und dubiose Finanzgeschäfte der Kirchen.

Die Kirchenaustritte sind aber ein klares Zeichen dafür, dass die Kluft zwischen Anspruch und Realität einfach zu groß geworden ist. Die Kirche hat über Jahrzehnte jede Glaubwürdigkeit verloren. Kirchenobere residieren in Villen und Palästen, kassieren monatlich mehr als 10.000 Euro (vom Staat!) und fordern die Gläubigen mit Durchschnittsgehalt oder schmaler Rente auf, den Gürtel für sogenannte Schutzsuchende enger zu schnallen.

Die Kirche verurteilt jede Ausgrenzung, will angeblich offen für alle sein – auch für Sünder – grenzt aber selbst all jene aus, die gegen eine unbegrenzte Zuwanderung sind oder gar AfD wählen. Der Berliner Erzbischof sagte nach der Bundestagswahl 2017: „Das Wahlergebnis in Ostdeutschland zeigt, dass die religiöse Heimatlosigkeit der meisten Menschen oft ihre kulturelle Obdachlosigkeit verstärkt“. Viele Menschen wären dankbar, wenn sie die religiöse Heimat der katholischen Kirche nicht gehabt hätten, z.B. die mehr als 3.000 Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmänner. Die würden sicher lieber die religiöse Heimatlosigkeit wählen.

Was die Kirchenoberen aber an der Austrittswelle wohl primär stört, ist der Wegfall der Kirchensteuer. Eine bequeme und sichere Einkommensquelle, die pro Jahr 12 Mrd Euro einbringt. Bequem und sicher für die Kirche, weil der Staat die Steuern eintreibt – mit allen Zwangsmitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Und die Kirchensteuer muss jeder zahlen, der Mitglied der Kirche ist – egal ob gläubig oder nicht. Eigentlich ein perfektes System: Mitglied wird man ohne eigenes Zutun (d.h. durch Taufe), austreten kann man aber nur aktiv, wobei einige bürokratische Hürden zu nehmen sind. Und die meisten sind einfach zu bequem, diesen Schritt zu tun. Bleibt zu hoffen, dass es mehr werden – oder der Gesetzgeber endlich die Kirchensteuer komplett abschafft.



Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.tagesschau.de/inland/kirchenaustritte-119.html
(2) https://epaper.faz.net//webreader-v3/index.html#/460249/28-29

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