FEHLERFREIES DEUTSCH: Kein notwendiges Kriterium mehr für Universitäts- oder Polizeibewerber

Guten Morgen liebe Hessen,

Früher galt das Bildungssystem in Deutschland als eines der besten in der Welt. Das war zu Zeiten Kaiser Wilhelms, als auch deutsche Universitäten Weltruf genossen und fast in jedem Jahr ein Nobelpreisträger aus Deutschland geehrt wurde. Aber auch in den fünfziger und sechziger Jahren war das Bildungssystem hierzulande zumindest deutlich überdurchschnittlich. Das änderte sich dann aber 1968 und führte über zahllose Reformen kontinuierlich nach unten. Die PISA-Studie lieferte vor 20 Jahren erstmals deutliche Hinweise auf den desolaten Zustand des Bildungssystems, jedoch ohne nachhaltige Änderungen. Im Gegenteil: der Eindruck verfestigt sich, dass die Politik kein Interesse daran hat, etwas daran zu ändern. Im Gegenteil: während man früher größten Wert auf die Grundfähigkeiten Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften legte, sorgen sich Bildungspolitiker heute nur noch Gender, Antirassismus, Diversität und Inklusion.

Und so hatte vor einigen Monaten der Ministerpräsident der Partei der Studienabbrecher verkündet, dass er den Rechtschreibunterricht nicht mehr für so wichtig hält wie früher einmal: „Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört“. Er hält es zwar für wichtig, dass jeder „ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen“ besitzt, aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nehme ab, weil man heutzutage nur noch selten handschriftlich schreibe. Zudem gebe es inzwischen „kluge Geräte“, die Grammatik und Fehler korrigierten (1).

Dennoch sollte man erwarten, dass ein Schulabsolvent die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrscht – jedenfalls für den täglichen Gebrauch. Und das gilt natürlich umso mehr für Abiturienten, d.h. Personen mit einer Hochschulzugangsberechtigung. An den Hochschulen wird üblicherweise mit wissenschaftlichen Texten gearbeitet, d.h. Texten, die deutlich höhere Anforderungen an den Leser stellen als etwa Zeitungsartikel aus der Lokalpresse oder dem Infoblatt des Turnvereins. Und wer an einer Hochschule studiert, liest nicht nur, sondern muss auch selbst schreiben – Klausuren, Hausarbeiten, Diplom- und Prüfungsarbeiten und ggf. auch eine Dissertation. Das stellt dann schon deutlich höhere Anforderungen an den Autor, d.h. ein Beherrschen der deutschen Sprache auf hohem Niveau.

Aber fehlerfreies Deutsch wird nicht nur an der Uni erwartet, sondern auch von Polizeibeamten, die täglich Berichte verfassen müssen. Deshalb verlangt die hessische Polizei von ihren Bewerbern – neben einer Hochschulzugangsberechtigung – ausreichende Rechtschreibkenntnisse und prüft diese auch entsprechend. Eigentlich sollte man erwarten, dass alle Bewerber – weil alle eine Hochschulzugangsberechtigung vorweisen müssen – diesen Test mühelos bestehen. Tun sie aber nicht. Wie die Antwort des hessischen Innenministers zu einer entsprechenden Anfrage (Drs. 20/3291) jetzt zeigte, bestehen 25 Prozent der Bewerber diesen Test nicht – also Personen, die die Qualifikation besitzen, ein Hochschulstudium aufzunehmen, aber die Rechtschreibung nicht soweit beherrschen, wie es für die Formulierung eines Unfallberichts oder einer Diebstahlanzeige erforderlich ist.

Aber was bei der Polizei heute noch verlangt wird – fehlerfreie Rechtschreibung – wird von einem Studenten nicht mehr erwartet. Jedenfalls nicht an einer Universität, die Lehrfächer wie Inklusion und Gender“wissenschaften“ anbietet.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article205302353/Winfried-Kretschmann-ueber-Rechtschreibung-Es-gibt-kluge-Geraete.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren