FERNREISEN IM ANGESICHT DER CORONA-KRISE: Touristen verlangen nun Rückholung durch Bundesregierung

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Dynamik der Corona-Ausbreitung war bereits Anfang Januar 2020 erkennbar. In China wurden drastische Maßnahmen ergriffen, die Ausbreitung einzudämmen, Grenzen wurden geschlossen und Flüge gestrichen. Es war auch für jeden erkennbar, dass Abstand zu möglicherweise infizierten Personen der beste Schutz ist und dass man daher Orte, an denen viele Personen auf engstem Raum zusammen sind, zu meiden sind – also z.B. Flugzeuge oder Schiffe. Das konnte jeder bereits Anfang des Jahres erkennen, unübersehbar wurde es jedoch im Lauf des Monats Februar. Und im Lauf dieses Monats wurde auch für jeden erkennbar, dass sich das Virus schnell weltweit verbreiten würde und dass in absehbarer Zeit alle Länder mehr oder weniger einschneidende Maßnahmen ergreifen würden, um die Ausbreitung zumindest zu verzögern. Und es war jedem klar, dass zu diesen Maßnahmen Ausgangs- und Reisebeschränkungen gehören würden.

Kein vernünftiger Mensch wäre in dieser Situation auf den Gedanken gekommen, eine Fernreise anzutreten, selbst wenn diese bereits bezahlt und eine Rückerstattung der Kosten unsicher war. Denn jeder musste damit rechnen, im Urlaubsland von einem Tag auf den anderen festzusitzen und nicht mehr wegzukommen, weil Bahnen und Flugzeuge nicht mehr verkehren oder weil durch die lokalen Behörden eine Reisesperre verhängt wurde. Oder dass man – falls man eine Kreuzfahrt gebucht hatte – auf dem Schiff in Quarantäne genommen werden würde.

Der eine oder andere hat sicher seine Reise abgesagt oder umgebucht – aber bei weitem nicht alle. Im Gegenteil: selbst Anfang bis Mitte März haben viele noch eine Reise angetreten. So z.B. ein Ehepaar aus Deutschland – er 82, sie 72 Jahre alt – das am 07. März zu einer Kreuzfahrt von Argentinien in Richtung Karibik gestartet ist. Das Schiff liegt derzeit bei Panama unter Quarantäne. Jetzt richten sie per Video einen Hilferuf an die Kanzlerin: „Frau Merkel, holen Sie uns nach Hause, wir haben Angst“. Verständlich, von den 1.800 Passagieren an Bord zeigen 138 grippeähnliche Symptome, zwei wurden positiv auf das Coronavirus getestet und vier Passagiere sind bereits verstorben. Die Enkel des Ehepaares gründeten einen Instagram-Kanal, auf dem sie das Video zeigen, „damit wir mit Hilfe der Politiker unsere Omi und unseren Opi retten können“ (1). Die Enkel hätten besser daran getan, die Großeltern von der Reise abzuhalten, wenn diese schon nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen waren.

Aber sie sind nicht die Einzigen. In Pakistan sitzen 300 Deutsche fest, die jetzt auch Hilfe von der Bundesregierung erwarten, z.B. Najeeb A. und seine Familie aus Friedberg. Sie reisten am 11. März zur Hochzeit der Schwägerin in die alte Heimat. Jetzt starteten sie eine Petition für sich und andere „Gestrandete“, darunter „viele ältere und kranke Menschen sowie mindestens eine schwangere Frau“. Denn: „Das pakistanische Gesundheitssystem ist für die Corona-Epidemie überhaupt nicht ausgestattet“ (2). Das konnte man vor der Abreise natürlich nicht wissen – vor allem nicht, wenn man selbst aus Pakistan stammt. Aber auch in Peru, Mexiko, Marokko, Indonesien, Neuseeland oder Indien sitzen „tausende deutsche Touristen“ fest. Wie z.B. eine Münchnerin, für die der Urlaub in Mexico die mit ihrem Mann, ihrem fünfjährigen Sohn und dem sieben Monate alten Säugling „zum Horrortrip mutierte“. Keine Unterkunft, kein Geld, kein Rückflug (3). Dabei wäre eine Reise mit einem Säugling in ein tropisches Entwicklungsland schon unter normalen Umständen verantwortungslos. Vielleicht lernen die Gestrandeten aus ihrem Horrortrip, wahrscheinlich aber nicht.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/gesundheit/news/wir-haben-angst-deutsches-paar-schickt-hilferuf-von-corona-schiff-frau-merkel-holen-sie-uns-nach-hause_id_11826609.html
(2) https://www.hessenschau.de/gesellschaft/rueckholaktion-fuer-300-in-pakistan-gestrandete-deutsche-,hessen-pakistan-corona-100.html
(3) https://www.sueddeutsche.de/panorama/coronavirus-luftbruecke-auswaertiges-amt-1.4860172

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