Flüchtlinge aus Griechenland – angekündigt: kranke Kinder (Mädchen) – angekommen: junge Männer

Guten Morgen liebe Hessen,

„Jetzt sind sie nun mal da“ – hätte die Kanzlerin sagen können, als kürzlich die lang ersehnten „minderjährigen unbegleiteten Kinder“ ankamen. Über viele Wochen konnte man in allen Zeitungen lesen. Da leben in griechischen Flüchtlingslagern hunderte oder tausende unbegleitete Kinder unter unwürdigen Bedingungen: enge Behausungen, keine medizinische Versorgung, keine Schule. Also genauso wie in der Heimat – nur ohne Krieg, Terror und Bomben. Und deshalb sollten sie unbedingt nach Deutschland – dort, wo gerade das Corona-Virus das gesamte Land lahmgelegt hat und wo die medizinische Versorgung mit den letzten Reserven aufrechterhalten wird. Dennoch forderten vor allem SPD und Grüne, die Kinder – überwiegend Mädchen – nach Deutschland zu holen. Vorzugsweise solche, die krank sind und dringend behandelt werden müssen. Und um die Dringlichkeit zu unterstreichen, konnte man in vielen Zeitungen entsprechende Berichte lesen, die mit Fotos von 3- bis 5-jährigen Kindern versehen waren. Kein Journalist und kein Politiker hat sich die Frage gestellt, wie ein dreijähriges Kind unbegleitet von Syrien oder Afghanistan auf eine griechische Insel reisen konnte. Oder warum die Eltern, Großeltern, Onkel, Brüder und sonstigen Verwandten die fünfjährige Tochter nicht daran gehindert haben, alleine die beschwerliche Reise anzutreten. Und wie sie diese Reise angesichts der überall lauernden Gefahren – Kälte, Schnee, reißende Flüsse, IS-Kämpfer, Mädchenhändler – überhaupt überstanden hat.

Wer die aktuellen Berichte über die inzwischen angekommenen Kinder gelesen – und vor allem die dazugehörigen Fotos gesehen – hat, kann sich beruhigt zurücklehnen. Keine Kinder, keine kleinen Mädchen. Die Fotos zeigen fast ausschließlich Jugendliche oder junge Männer – wie gewohnt. Auch in einem kurzen Filmbericht sieht man praktisch nur Jugendliche, die erkennbar gut gelaunt das Flugzeug nach Hannover besteigen. Die meisten winken fröhlich in die Kamera, machen Fotos mit ihren Smartphones und sind erkennbar gut gekleidet. Keiner macht einen kranken Eindruck. Im dazugehörigen Bericht der WELT ist die Rede von „47 junge Flüchtlinge aus Athen“, die zuvor in Lagern auf den griechischen Inseln gelebt hatten und aus Afghanistan, Syrien und Eritrea stammen. Vier von ihnen sind Mädchen – also weniger als 10 Prozent. Die WELT zeigt sich darüber überrascht, denn der Koalitionsausschuss hatte beschlossen: „Kinder, die entweder wegen einer schweren Erkrankung dringend behandlungsbedürftig oder aber unbegleitet und jünger als 14 Jahre alt sind, die meisten davon Mädchen“ (1).

Aber überraschen kann das eigentlich niemanden. Jedem musste klar sein, dass dieser Beschluss nur dazu diente, die Kritiker als Menschenfeinde zu brandmarken, die kranke Kinder – und vor allem die besonders schutzwürdigen Mädchen – ihrem Schicksal überlassen wollen. Aber Deutschland ist nicht alleine. Auch das kleine Luxemburg hat sich in die Reihe der willigen Staaten eingereiht und hat seinen Beitrag geleistet und 12 Jugendliche aufgenommen. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat die Flüchtlinge auf dem Flughafen in Empfang genommen und verkündet: „Wenn wir in Luxemburg das hinkriegen, dann können es auch andere EU-Länder hinkriegen“. Aber er stellte auch klar: „Jedem Jugendlichen folgen später im Zuge des Familiennachzugs vier bis fünf weitere Personen, das ist so, das muss man auch offen sagen“ (2). Warum die „vier bis fünf“ weiteren Familienangehörigen nicht gleich mit geflohen sind, sondern die Jugendlichen vorgeschickt haben, hat er nicht verraten. Vielleicht weiß er es tatsächlich nicht.



Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article207338961/Griechenland-47-junge-Fluechtlinge-aus-Athen-in-Hannover-gelandet.html
(2) https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-asselborn-verteidigt-vorgehen-bei-aufnahme-von-fluechtlingen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200411-99-668815

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